Konnt ich ja nich wissen! - Daß das auch in Stress ausarten kann. Wir haben 'ne 3-Tage-2-Nächte-LiveABoard Tour mit ProDive gemacht. Da sind 11 Tauchgänge am Great Barrier Reef mit drin. Das heißt man fährt am Tag 1 mit 30 andern Leuten von Cairns auf hohe See raus und versucht nich zu kotzen (so wie die Mehrheit). Ich war vorbereitet und hatte vorab Sea-Sickness-Tabletten genommen. Ganz ehrlich: Die helfen nich (höchstens Placebo, wie immer)! Da ham echt fast alle gekotzt. Die paar Ausnahmen, wie Ramona und ich, warn dann einfach nur kreidebleich. Mit einiger Konzentration und "Horizont anstarren" sind wir sauber geblieben.
Am Riff angekommen ist die See dann wieder ruhiger. - Kein Wunder is ja auch total flach da. Aber dann geht der Stress los: 1. Tauchgang! Danach will man mal in Ruhe abspannen, dann gibt's aber schon das nächste Briefing! In Südostasien haben wir zwischen 2 Tauchgängen immer einen freien - oder nur Schnorchteltag - eingelegt. Hier wurde die Tauchfrequenz praktisch verachtfacht! Das wäre ja ok, wenn das Wetter nich so beschissen wäre. Andauernd Regenhusche, da friert man schon bevor man ins Wasser springt. Und das Wasser war auch arschkalt - 24° hört sich zwar nich schlimm an, is beim Tauchen und dem gefühlten Windchill an Board aber polarverdächtich.
Ich war natürlich heiß, mit meiner Unterwasserfotographie loszulegen. Zuerst warn wir aber etwas enttäuscht, weil immer gesagt wurde, am Great Barrier Reef ist die Unterwasserwelt nochmal 'ne andere Klasse als in Südostasien. Kann ich so nich bestätigen - ich fands eher gleichwertig. Vielleicht lag's aber auch an der meist etwas rauhen See. Dadurch war alles n bißchen aufgewühlt und man hatte ziemlich viele Schwebeteilchen, so wie das hier.
Das Fotografieren ist dann nochmal ein Dämpfer. Das muß man auch erst lernen. 90% der Bilder, die man mit hoch bringt sind Schund. Einfach nur grünlichblau, zumal wenn keine Sonne von oben scheint. - So wie bei uns die meiste Zeit. Das mit den Farben ist normal, da die nach und nach verschwinden, je tiefer man runtergeht - rot und gelb zuerst. Bei den bunten Fotos in den Werbeprospekten haben die Taucher extrem starke Blitze verwendet.

Das Problem bei den Fischchen ist außerdem, daß die die ganze Zeit herumzappeln müssen, wie Henrike, und nich mal 2 min stillhalten können fürn anständiges Foto. Die meisten schwimmen um die Ecke oder drehen sich einfach weg, wenn sie mich sehen - so wie im wahren Leben.

Wenn Kontakt unvermeidlich wird, handelt es sich meistens um aufgeblasene oder finster-drein-schauende Typen.

Wenn das nicht genügt, wird man auch schon mal attackiert.

Der einzig wirklich freundliche Mit-Fisch ist tatsächlich Nemo. Vorteil, der haut nich ab aus seiner Anemone und man kann sich Zeit nehmen, ihn zu belästigen.
Jedenfalls macht man 4 Tauchgänge pro Tag, der letzte is jeweils ein Nachttauchgang (grusel).
Sieht nich nur albern aus, man sieht auch schön wie mir die Muffe geht. Und dat is auch verdammt dunkel oben und unten und auch noch nass und kalt. Is aber eigentlich nich weiter schlimm, genau wie am Tag - nur dunkel. Aber man hat ja 'ne Taschenlampe und 'n Knicklicht hinten anner Flasche. Da auch noch n paar andere Leute mit runtergehen, ist es ein ziemliches Gefunzel. Ab und an kriegt man auch ma 'n Fisch in die Latücht.
Das Highlight war dann aber der Nachttauchgang am zweiten Abend. Dort sind wir zum Schlafplatz einer riesigen Schildkröte (ca.1,5m). Da hatte ich die Kamera nich dabei, da ich eine Hand für die Taschenlampe brauchte und die andere, um meinen Anzug zu bedienen. Die Schildkröte heißt Brian. Der Name wurde ihr verpaßt, bevor ein Wissenschaftler das Geschlecht auf 'weiblich' bestimmt hat...

Schildis: Ich hab ja schon erwähnt, daß Ramona die meisten findet. Aber auf diesen Tauchgängen haben wir irgendwann aufgehört sie zu zählen, da sie genauso häufig vorkommen wie'n Triggerfisch oder 'n Butterflyfisch.
Jedenfalls war unser Tauchbedarf erstmal gedeckt nach diesem Ausflug, der uns aber jede Menge Sicherheit und Routine gebracht hat.