Wilder Osten

Ab die Post - wir legen noch einen eintägigen Zwischenstop in Phnom Penh ein.

Noch schnell einen Blick auf die purpurnen Flüsse und die kulinarischen Köstlichkeiten der Stadt, führt unser Weg nach Norden und wir finden uns in Kratie wieder. Die Irrawaddy Delphine, die hier im Mekong schwimmen, kennen wir von den 4000 Islands aus dem Süden Laos'. Deshalb lassen wir diese hier in Frieden aussterben und erkunden lieber die Flußinsel Koh Trong.

Der Mekong hat hier ein breites wüstenähnliches Ufer. Mit Fahrradreplikaten umradeln wir die Insel und treffen auf ein scheues Mangomädchen, dessen Vater hoch oben in einem riesigen Mangobaum die Früchte erntet. Das Mangomädchen hat die Aufgabe die Stiele abzuknipsen. Außerdem begegnen wir dieser Hirtenfrau, die ihr klappriges Vieh entweder auf die Wüste zum weiden oder durch die Wüste zum Saufen ans Ufer führt.

Am häufigsten trifft man jedoch den typischen Kambodschaner bei seiner Siesta.

Die ganze Gegend erinnert sehr stark an die 4000 Islands. Das ist auch nicht verwunderlich, schließlich liegen die nur ca. 200 Kilometer nördlich den Mekong hinauf.
An der Südspitze der Insel ist der Sandstrand deutlich schmaler und es gibt ein schwimmendes Dorf.

In Kratie machen wir noch unseren üblichen Marktrundgang und tags darauf geht's Richtung Nordosten in die Ratanakiri Provinz nach Ban Lung.

Was ist das schönste das einem in Kambodscha widerfahren kann? Wie überall auf der Welt: wenn ein Laster voll Bier seine Ladung verliert. Hier hat der Fahrer in Ban Lung uns Radlern noch begeistert zugewunken, um kurz darauf etwas zu schwungvoll in die Linkskurve zu gehen. Ein wunderschöner Anblick wenn einige hundert Dosen "Anchor" ihren Inhalt wie Minispringbrunnen auf die Straße versprühen.

In der Nähe des Ortes gibt es einen alten Kratersee, in dem man prima baden kann; der aber ansonsten überbewertet ist und eher einem mecklenburgischem Binnengewässer ähnelt. Die umliegenden Wasserfälle werden ebenfalls sowohl von den einheimischen Kindern als auch von uns bebadet.

In Ban Lung haben wir eine herrliche Unterkunft, wo wir Nina aus Australien wiedertreffen, die wir zuvor in Kratie kennengelernt haben. Mit ihr erkunden wir einige der Wasserfälle per Rad bevor wir uns mit einem großen Eis vom Eisauto belohnen.

Einem britischen Pärchen in den Flitterwochen überlassen wir unseren Dreiecksverband. Sie hatten einen Unfall mit dem Moped, wobei er sich das Schlüsselbein gebrochen hat. Das erkennt man auch als medizinischer Laie, denn der Knochen steht seltsam unter der Haut hervor. Keiner weiß, wie man das Dreieckstuch ordentlich anlegt, sodaß wir alle gebannt auf ein YouTube-Video schauen, welches es demonstriert.
Mit 'nem iPhone schießen wir ein Bild von der Röntgenaufnahme und schicken es seinem Arztfreund in England. Wo wären wir nur ohne Internet und Gadgets?
Von allen Ländern Südostasiens erscheint uns Kambodscha immer noch als das ärmste. Nirgendwo sonst haben wir solche dreckigen und stinkenden Märkte besucht.

Den Kindern ist die Armut oft anzusehen, wie hier bei einem Tagesausflug mit dem Moped ins Umland.

Doch als nächstes erwartet uns das saubere sozialistische Vietnam und wir machen uns auf den kurzen Weg nach Osten zum Grenzübergang O Yadaw, der von Backpackern aus mir unbekannten Gründen praktisch nicht genutzt wird. Wir sind jedenfalls die einzigen Weißen an der Baustelle.
diestel - 5. Nov, 15:38




















