Mittwoch, 7. Juli 2010

Watch my algae!

Mann mann mann, Junge Junge Junge, Nee nee nee. Wir sind schon fast auf dem Sprung von Thailand nach Indonesien und ich war richtich faul was die Berichterstattung angeht. Dafür gibts jetzt die geballte Ladung, denn ich bin fest entschlossen den umfangreichsten Beitrag ever hinzulegen.

Nach dem von Arnd hier richtig erratenem Ko Lipe (Du darfst Dir jetzt 'nen Keks aus der Küche holen) mußten wir schnellstens aufs Festland. Mit Dengue-Fieber macht nämlich nix keinen Spaß. Auf Strandfotos vom Tarutao Nationalpark verzichte ich mal komplett, um nicht allzuviel Neid zu schüren.
Nach einer abenteuerlichen Stippvisite im lokalen Krankenhaus von Satun wird der Verdacht auf Denguefieber bestätigt und Ramona soll zur Überwachung dort bleiben und willigt zunächst auch ein. Es gibt pro Etage eine einzige große Halle in der alle Patienten liegen. Ich schätze mal so 16-20, die sich bei Bedarf mit einer Art Duschvorhang Privatsphäre zum Nachbarn verschaffen können. An Herz-Lungen-Maschinen angeschlossene Omas neben Unfallopfern und psychisch Kranken. Die gesamte Halle ist unklimatisiert, es herrschen also um die 35°, extrem hohe Luftfeuchtigkeit und es riecht nach allem möglichen und unmöglichen. Das Krankenhauspersonal zu überzeugen, daß Ramona im Hotel besser aufgehoben ist, war ein hartes Stück Arbeit. Wir hatten aber Sorge uns dort noch was zusätzliches einzufangen statt zu genesen. Am nächsten Tag gings deshalb auf schnellstem Wege nach Hat Yai ins hochwertigere Bangkok Hospital. Hier hat sie sich dann 4 Tage auskuriert, während ich mit der üblichen 125er Honda Wave die Straßen noch unsicherer als sowieso schon gemacht hab.

Über Krabi sind wir dann nach Rai Leh. Und dort sollten wir vorläufig nicht mehr wegkommen. Warum auch? Weidet Eure Augen an dem,

West

dem,

Ost

und dem.

Süd

Dort gibts als ÖPNV nur Longtailboote, die zwischen den Stränden kutschieren. Die braucht man aber eigentlich nicht, denn alles läßt sich auch zu Fuß erkunden.
An den Stränden tummelt sich ein gesunder Mix aus Backpackern, Pauschalurlaubern und natürlich Kletteräffchen. Durch das räumlich begrenzte Gebiet - Rail Leh liegt zwar auf dem Festland, ist aber nur per Boot zu erreichen - läuft man immer wieder denselben Leuten über den Weg und man kommt sehr schnell in Kontakt.

Zum einen wäre da ein skurriler Trupp von 4 Leuten bestehend aus Tristian aus den USA, Jen aus Australien sowie den beiden jüngeren Briten Ian und Will, die von Tristian sofort unter die Fittiche genommen wurden. Zu den Ritualen dieses Gespanns gehörte es, jede Nacht in das einzig brummende Beach-Restuarant einzukehren und sich an gekählten Getrünken gütlich zu tun. Wir als mitt-30er-Yuppi-Spießer haben da abends eher in unserer Hängematte vorm Bungalow abgehangen und gelesen. Jedenfalls sind speziell die Briten deshalb auch grundsätzlich erst nachmittags aufgestanden, nachdem wir schon 'nen Aussichtspunkt erklommen, durch 'ne Höhle geklettert, mit Affen gekämpft, irgendwo gebadet oder einer sonstigen touristischen Pflicht nachgekommen sind.

Aber dann waren wir doch mal mit zum hastigen Verzehr von einigen Chang-Singha-Sangsom-Kombinationen. Da vorher irgendein Fußballspiel gekuckt werden mußte, war es beim Aufbruch schon sehr spät bzw. früh und wir haben uns zum spontanen NaNaBa (NachtNacktBaden) am Phra Nang Beach entschlossen. Dort gibt es Algen, die bei Stimulation für kurze Zeit leuchten. Mich hat das total begeistert. Die Sterne von oben und meine eigene Galaxie im flachen Wasser vor mir, die ich durch einfache Handbewegungen erschaffen kann. Deshalb kam von mir immer nur "Ohh watch my algae, watch my algae!", worauf Ian mit einem ständigen "Amazin', that's so amazin'" antwortete. Jeder war also damit beschäftigt möglichst perfekte Sternengalaxien zu erzeugen.
Damit nicht genug ließ sich Jen - eine passionierte Kletterin - von Tristian an einen großen Überhang-Stalaktiten hochhieven und hing daran mit allen Vieren wie eine Spinne (nackt!), bis sie sich wieder ins Wasser platschen ließ.

Viele der Foto-Spots in Rai Leh müssen selbst erkämpft werden. Diese Aussicht z.B. genießt man erst nach dem Durchklettern einer dunklen Felshöhle in der es beständig bergauf geht - ohne Taschenlampe nicht empfehlenswert. Am Ende kuckt man dann auf der anderen Seite des Felsens raus. Das Loch im Felsen sieht man ganz gut auf dem obersten Bild im Hintergrund.

Rai Leh West

Ebenso abenteuerlich ist der Aufstieg zu diesem Aussichtspunkt, wo ein lapidares Schild mit der Aufschrift "Viewpoint" auf eine Steilwand am Wegesrand deutet. Besonders herausfordernd ist die Sache, wenn der Regen in der Nacht zuvor die gesamte Strecke extra rutschig gemacht hat, wie in unserem Fall. Die Aussicht entschädigt aber voll und ganz.

Awesome Rai Leh East and West

Ein paar Tage darauf hat Ramona die Blinkerkäfer auf dem Weg zwischen West- zum Oststrand entdeckt. Offensichtlich sind die ständig am Abbiegen und haben deshalb beim langsamen Flug durch die Abenddämmerung ihre Blinker gesetzt. Absolut faszinierend. Mit dem Frisbee konnte ich problemlos ein Exemplar einfangen und genauer begutachten. Unter Licht stoppen die natürlich sofort ihre Lasershow. Zwei kalifornische Kletterer haben uns später noch von leuchtenden Nacktschnecken und Spinnen auf dem abendlichen Dschungelpfad von Ao Ton Sai nach Rai Leh East berichtet. Außerdem gab es wohl noch anderes fluoreszierendes Getier, welches ich Euch durch mein schlechtes 'verstehendes Englisch-Hören' nicht wiedergeben kann - ich glaub sowas ähnliches wie Tausendfüßler.

BlinkerkäfervideoIch hab später nochmal versucht mit der Kamera + Unterwassergehäuse die Leuchtalgen einzufangen - ohne Erfolg. An dem Abend war es aber auch noch zu früh, sodaß die Edel-Resorts am Weststrand noch ihre Scheinwerfer anhatten und damit ausreichende Dunkelheit vereitelten. Na man muß ja nich alles festhalten. Dafür hab ich hier 'nen Blinkekäfer erwischt. Wirkt natürlich nich ganz so wie in echt - aber zumindest bekommt man 'nen Eindruck.

Sabrina und Ryan haben wir kennengelernt weil sie uns auf dem Blinkekäferweg auf die Brillenschlangenaffen hingewiesen haben und weil wir immer wieder gemeinsam im selben Thaifood Laden tafelten. Die beiden sind ebenfalls Kletterer und haben uns angeboten, es mal zu versuchen. Nach einigen Tagen Haderns hab ich mich durchgerungen.

Kletteräffchen unten - ohne Elvis Leg Kletteräffchen oben - mit Elvis Leg

Schon nach kurzer Zeit bekommt man an schwierigen Passagen das sogenannte "Elvis Leg". D.h. der ganze Unterschenkel (ggf. auch Oberschenkel) zittert beängstigend die nicht vorhandene Beinmuskulatur durch. Das kann man übrigens auch in den Armen kriegen. Drei Tage Muskelkater waren der Mühe Lohn. Und ja, ich hab dabei das Sundstock '98 T-Shirt an, daß alle anderen Holzhausen-Hafenhomos längst entsorgt haben.
Ich bin kein besonders begabter Kletterer, obwohl mein relativ geringes Körpergewicht von Vorteil ist. Dafür gibt es aber eine ganz natürliche Erklärung. Rein klettertechnisch gesehen bin ich bereits tot, was man an dieser Skala ablesen kann.

Climbing Evolution Theory

Noch kurz zu den Affen. In Rai Leh gibt es den Standard-Affen der keinerlei Scheu vorm Menschen kennt und den Brillenschlangenaffen, der schwieriger vor die Linse zu bekommen ist. Bei allen Bezeichnungen in diesem Beitrag handelt es sich übrigens um die gewissenhaft recherchierten wissenschaftlich-lateinischen Bezeichnungen der jeweiligen Spezies.

Ideal-Standard-Affen Brillenschlangenaffe

Außerdem ist natürlich, wie bereits erwähnt, noch alles voller angereister Kletteräffchen und extrem selten sieht man das scheue aber freundliche Strandäffchen.

Willi (Gast) - 10. Jul, 16:32

moin,moin
hier ist dein neidicher Haustechniker
sitze hier bei 37° grad in der bude hab deinen Bericht gelesen.
kann nur sagen super ich beneide Euch und wünsche noch vieles nicht alltägliches auf der Tour und lass die kleinen Krankheiten da wo sie herkommen.
viele Grüße

willi

diestel - 11. Jul, 06:43

37° - is ja Wahnsinn

wärmer als bei uns! Wir verzeichnen momentan lumpige 32°.
Mit den errungenen Krankheiten liegen wir jetzt weit über dem Durchschnitt, sodaß wir uns rein statistisch nichts mehr einfangen dürften :)
Viele Grüße ins beschauliche Quickborn-City!
birne (Gast) - 10. Jul, 17:19

eh, guck mal, meine alge...

...wahnsinn, das ist ja der wahnsinn!

und dann hängt da noch eine nackte an händen und füssen von einem stalagtiten? das nenne ich mal eine gelungene abendveranstaltung!

grüsse von noch einem klettertechnisch schon toten an den anderen nebst begleiterin. hier sind 35 grad, kein strand und keine brise in der scheiss stadt. und elvisarme kenn ich auch, ist das nicht das was nach vier liegestütze passiert?
###

diestel - 11. Jul, 06:46

4 Liegestütze?

am Stück? Haste bei jemand anderem gesehn oder was?

Los Birne, pack Deinen Rucksack, wir warten auf Dich!
Arnd (Gast) - 12. Jul, 10:57

Mensch, wahre ROMANE textest Du hier...
Sehr schöne Fotos, sehr schöne Geschichten, weiter so :-)

Pimp, dem (Gast) - 12. Jul, 12:05

Beruf verfehlt

Wenn er so weiter macht, landet Erich noch beim lonely planet!
Antee (Gast) - 18. Aug, 05:19

Hallo Eric and Ramona!!
Ihre Reise ist wunderbar!!
I was the girl that you met on your way from Gili Trawangan to Mataram, Lombok!
Honestly, I dont quite understand what you wrote on your blog hehehe :P
but, the pictures are absolutely fantastic!
Where are you now? are you still in Indonesia?? or you are somewhere else now?
Saya sangat suka sekali dengan gambar-gambar Anda. Kalau kamu nanti melakukan perjalanan lagi, saya harap kamu mengambil lebih banyak gambar. Karena gambar dengan pemandangan indah dan senyum yang lebar sangat enak dipandang mata (as I promised you, I would wrote some of my comments in Bahasa Indonesia (indonesian language) ). Anyway, I am so sorry, I lost your email addresses, could you please let me know again.. you could send your email address to mine, which is Antee_manis@hotmail.com..
Thank you!!
Have a great journey!

diestel - 22. Aug, 11:01

Semporna

in Malaysia (Borneo) is where we are right now, spending most of our time with diving and visiting that unbelievable beautiful islands nearby.
Soon we are going back to Indonesia (Kalimantan)! And I'll send you our mail contacts. Meanwhile I'll try to figure out whats the meaning of your Bahasa above :)

Cheers,
Eric

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