Von unserer zweiten Heimat in Bangkok organisieren wir unseren letzten großen Loop durch Indochina. Wir wollen über Land durch Kambodscha und weiter nach Vietnam. Da wir beide Länder schon früher besucht haben, wollen wir jetzt in die Ecken, die wir noch nicht kennen. Wir schiessen also bei AirAsia einen günstigen Rückflug von Hanoi nach Bangkok, sodaß wir mit ein paar Tagen Puffer unseren Heimflug erwischen sollten. Für die Tour bis nach Hanoi bleiben uns noch ca. 2 Monate.
Eigentlich soll es zuerst in die Preah Vihear Province im Norden Kambodschas gehen - am liebsten mit 'nem Motorrad. Doch es gibt wieder einmal Streitigkeiten mit Thailand um die Tempelanlage im Grenzgebiet und ein paar Tage zuvor sind dort Soldaten erschossen worden. Also peilen wir stattdessen Battambang im Süden an.
Der Grenzübergang Aranya Prathet-Poipet ist berüchtigt für seine zahlreichen
Scams. Meist geht's darum, die Touristen in einen überteuerten Bus nach Siem Reap zu setzen. Gatt sei Dank kennen wir den Grenzübergang und die üblichen Spielchen schon. Aber hier ein paar Klugscheißer-Tips die helfen können, nicht in die Falle zu tappen:
- Noch auf thailändischer Seite wird einem Hilfe für das Visum angeboten. Wie diese Hilfe aussehen soll, weiß ich nicht. Mit Sicherheit erleichtert sie einem aber das Budget. Entweder man hat sich das Visum schon in Bangkok besorgt oder man holt es sich so wie wir direkt am Grenzschalter.
- Im Grenzbereich wird man von offiziell aussehenden Uniformträgern auf den kostenlosen Shuttlebus hingewiesen. Der is aber nur bis zum Terminal kostenlos. Danach wirds teuer und es ist schwer von da wieder wegzukommen.
- Die kambodschanischen Grenzbeamten haben den vollkommen berechtigten Ruf korrupt zu sein. Wenn man seinen Pass noch nicht zurück hat, siehts schlecht aus und man ist gezwungen ein kleines Schmiergeld zu zahlen. Der offizielle Preis fürs Visum (ich glaub USD20) steht groß dran. Unser Grenzer hat mir die Pässe aber schon zurückgegeben, als er zu mir meint: "Hey, give me 50 Baht." Darauf gibt es von mir die einzig richtige Antwort: "No".
- Wenn Du an 'nem Busterminal landest, von dem offensichtlich nur Westler losfahren und Du 'nen bunten Aufkleberpunkt aufs T-Shirt gedrückt bekommst (Touri-Tagging), kannst Du sicher sein, daß Du gerade abgezockt wurdest.
Der Versuch sich die
Touts vom Leib zu halten, endet bei mir leider meist darin, daß ich einfach jeden möglichst abweisend und unfreundlich behandle, der uns irgendwelche Hilfe anbietet, um die ich nicht gebeten hab. Statt uns von Fremden anquatschen zu lassen, gehe ich also lieber selbst auf Einheimische zu, die offensichtlich grad im Aufbruch nach irgendwo sind. Wir finden nach kurzer Zeit einen Pickup, der nach Battambang fährt und nach nicht ganz so kurzer Feilsche-Zeit, uns für einen fairen Preis mitnimmt - 150 Baht, wenn ich mich recht erinnere.
Wie fast überall in Kambodscha, gibt es auch hier Tempel zu erkunden. Wir machen das an mehreren Tagen per Moped oder Fahrrad. Dabei treffen wir auf freundliche Verkaufe-Frauen und neugierige Mönche.
Kambodscha ist meist flach wie ein Eierkuchen, was man hier im Hintergrund vom Phnom Sampeau ganz gut sieht. Auf der Rückfahrt überholen wir diesen typischen Federvieh-Transport.
Unsere Unterkunft im Ort hat erstaunlich hohen Komfort und "free WiFi". Da wir als nächstes nach Phnom Penh wollen, belese ich mich beiläufig auf WikiTravel und erfahre dort von den gefürchteten Brick-Attacks. Dabei wird angeblich aus fahrenden Autos mit 'nem Ziegelstein vorzugsweise auf weiße Westler geworfen, um sie dann auszurauben. Der
Eintrag hörte sich ursprünglich aber viel drastischer an und war viel detaillierter beschrieben. Hab ihn mal in der History aufgestöbert:
According to The Phnom Penh Post there has been a string of unprovoked brick attacks on foreigners along Riverside in 2010. The brick is generally aimed at the head, and is thrown from a moving SUV. The Post reports eight injuries to date, though the toll may be higher. Police have denied that these attacks are occurring. As of Oct/Nov 2010 these have stopped. Rumors and denials have lead to no charges, but most people can take a guess at the type of person to through a brick at a foreigner from a $50,000 Lexus SUV.
In Phnom Penh angekommen deprimiert uns erstmal viel mehr unsere Unterkunft am Stadtsee Boeng Kak. Dieser See wird nämlich gerade von 'ner koreanischen Firma trockengelegt, um darauf Eigentumswohnungen oder sowas zu bauen. Das ist nicht nur total bescheuert sondern auch ein trauriger Anblick, denn die Guesthouses am See werden nach und nach auch geplättet.
Hinzu kommt, daß die Sehenswürdigkeiten Phnom Penhs ebenfalls meist trauriger Natur sind. Wenn man tagsüber die Killing Fields oder das Tuol Sleng Museum besucht hat, schaut man abends nicht gerne auf einen sterbenden See und halb abgerissene Gebäudefronten. Nach 2 Nächten wechseln wir in eine freundlichere Umgebung in der City.
Mit Vorliebe lassen wir uns von älteren Moto-Männchen durch die Stadt kutschieren. Die nehmen uns beide auf einem Mopped mit und begnügen sich mit 3000 Riel pro Fahrt.
Den angeblich chaotischen Verkehr in der Hauptstadt kann ich zunächst nicht nachvollziehen, das liegt evtl. aber auch daran, daß gerade 'Khmer New Year' ist und die meisten Leute aufs Land zu ihren Familien sind. Um das zu überprüfen, folgen wir ihnen an die Küste nach Sihanoukville.
Und tatsächlich, hier sind alle versammelt, um das neue Jahr zu begüßen und zu begießen. Wie so oft in Asien baden die Einheimischen vollständig bekleidet, also z.B. in langen Jeans und Hemd. Gesoffen wird aus meiner Sicht genauso stark wie in europäischen Kulturkreisen.
Um die Gegend um Sihanoukville zu erkunden, leihen wir mal wieder ein Moped. Wir bekommen noch den Hinweis, unbedingt diese abenteuerlichen Papphelme aufzusetzen, die weder auf einen europäischen Kopf passen noch irgendeinen Schutz bieten. Aber die Polizei lauert nur darauf, einen Westler ohne Helm zu erwischen.
Prompt werden wir von 'nem Polizeitrupp rausgewunken - wir tragen beide vorschriftsmäßige unsere Pisspötte aufm Kopp. Der eine Verkehrshüter will meinen Führerschein sehen und sagt ich wär in eine Einbahnstraße gefahren. Da hat er zwar recht, nur trifft das auf alle anderen die grad hinter uns langfahren genauso zu. Außerdem müßte ich auch tagsüber mit Licht fahren. Ich soll USD5 Strafe zahlen! Zähneknirschend handel ich ihn auf einen Dollar runter und bekomme meinen Führerschein zurück.
Doch damit nicht genug. Zehn Minuten später werden wir an einer anderen Kreuzung von einem anderen Polizisten rausgewunken. Er will meinen Führerschein. Da auch ich dazulerne, lasse ich ihn diesen von beiden Seiten anschauen, ohne ihn aus der Hand zu geben. Auch wenn er immer wieder danach grabscht. Er sagt, daß ich tagsüber nicht mit Licht fahren dürfe und deshalb eine Strafe zu zahlen hätte!! Da ticke ich fast aus und erkläre ihm aufgebracht, daß mir seine Kollegen 1 km weiter vorne gerade das Gegenteil erzählt haben. Ich glaub, ich reg mich so auf, daß er ein bißchen Angst kriegt. Auf jeden Fall lasse ich ihn ungeschmiert dastehen und wir zischen ab.
Am nächsten Tag versucht !derselbe! Bulle uns nochmal rauszuwinken. Ich halte erst gar nicht, sondern drohe ihm wütend mit der Faust und schlängele mich waghalsig an ihm vorbei. Ein bißchen Schiß hab ich dann doch, daß nun gleich eine wilde Verfolgungsjagd beginnt. Aber nix passiert.
Später in Phnom Penh erleben wir noch abenteuerlichere Fahrerfluchten. Komischerweie haben die Unbestechlichen es da auf Einheimische abgesehen und versuchen sie während der Fahrt vom Moped zu zerren. Doch die befreien sich mühelos von den Plagegeistern und setzen ohne Hast ihre Fahrt fort. Für Verfolgungsaktionen fehlt den Beamten offensichtlich der Sprit. Fahrerflucht in Kambodscha ist also absolut gängig und kann von mir nur wärmstens empfohlen werden.