Kambodscha

Samstag, 5. November 2011

Wilder Osten

Postsäcke?

Ab die Post - wir legen noch einen eintägigen Zwischenstop in Phnom Penh ein.

Waschtag? kulinarische Köstlichkeiten

Noch schnell einen Blick auf die purpurnen Flüsse und die kulinarischen Köstlichkeiten der Stadt, führt unser Weg nach Norden und wir finden uns in Kratie wieder. Die Irrawaddy Delphine, die hier im Mekong schwimmen, kennen wir von den 4000 Islands aus dem Süden Laos'. Deshalb lassen wir diese hier in Frieden aussterben und erkunden lieber die Flußinsel Koh Trong.

Mekong Wüste mit Karawane

Der Mekong hat hier ein breites wüstenähnliches Ufer. Mit Fahrradreplikaten umradeln wir die Insel und treffen auf ein scheues Mangomädchen, dessen Vater hoch oben in einem riesigen Mangobaum die Früchte erntet. Das Mangomädchen hat die Aufgabe die Stiele abzuknipsen. Außerdem begegnen wir dieser Hirtenfrau, die ihr klappriges Vieh entweder auf die Wüste zum weiden oder durch die Wüste zum Saufen ans Ufer führt.

Mangomädchen Koh Trong Kühe

Am häufigsten trifft man jedoch den typischen Kambodschaner bei seiner Siesta.

pure Cambodia

Die ganze Gegend erinnert sehr stark an die 4000 Islands. Das ist auch nicht verwunderlich, schließlich liegen die nur ca. 200 Kilometer nördlich den Mekong hinauf.
An der Südspitze der Insel ist der Sandstrand deutlich schmaler und es gibt ein schwimmendes Dorf.

floating village

In Kratie machen wir noch unseren üblichen Marktrundgang und tags darauf geht's Richtung Nordosten in die Ratanakiri Provinz nach Ban Lung.

Markttreiben in Kratie altes Mütterchen im Getümmel

Was ist das schönste das einem in Kambodscha widerfahren kann? Wie überall auf der Welt: wenn ein Laster voll Bier seine Ladung verliert. Hier hat der Fahrer in Ban Lung uns Radlern noch begeistert zugewunken, um kurz darauf etwas zu schwungvoll in die Linkskurve zu gehen. Ein wunderschöner Anblick wenn einige hundert Dosen "Anchor" ihren Inhalt wie Minispringbrunnen auf die Straße versprühen.

Alkoholmißbrauch

In der Nähe des Ortes gibt es einen alten Kratersee, in dem man prima baden kann; der aber ansonsten überbewertet ist und eher einem mecklenburgischem Binnengewässer ähnelt. Die umliegenden Wasserfälle werden ebenfalls sowohl von den einheimischen Kindern als auch von uns bebadet.

Badejunge begehbarer Chaa Ong Wasserfall

In Ban Lung haben wir eine herrliche Unterkunft, wo wir Nina aus Australien wiedertreffen, die wir zuvor in Kratie kennengelernt haben. Mit ihr erkunden wir einige der Wasserfälle per Rad bevor wir uns mit einem großen Eis vom Eisauto belohnen.

sieht nich so aus - is aber anstrengend ein halbes Stangeneis bitte

Einem britischen Pärchen in den Flitterwochen überlassen wir unseren Dreiecksverband. Sie hatten einen Unfall mit dem Moped, wobei er sich das Schlüsselbein gebrochen hat. Das erkennt man auch als medizinischer Laie, denn der Knochen steht seltsam unter der Haut hervor. Keiner weiß, wie man das Dreieckstuch ordentlich anlegt, sodaß wir alle gebannt auf ein YouTube-Video schauen, welches es demonstriert.
Mit 'nem iPhone schießen wir ein Bild von der Röntgenaufnahme und schicken es seinem Arztfreund in England. Wo wären wir nur ohne Internet und Gadgets?

Von allen Ländern Südostasiens erscheint uns Kambodscha immer noch als das ärmste. Nirgendwo sonst haben wir solche dreckigen und stinkenden Märkte besucht.

Rückseite vom Markt in Ban Lung

Den Kindern ist die Armut oft anzusehen, wie hier bei einem Tagesausflug mit dem Moped ins Umland.

in the middle of nowhere

Doch als nächstes erwartet uns das saubere sozialistische Vietnam und wir machen uns auf den kurzen Weg nach Osten zum Grenzübergang O Yadaw, der von Backpackern aus mir unbekannten Gründen praktisch nicht genutzt wird. Wir sind jedenfalls die einzigen Weißen an der Baustelle.

Montag, 3. Oktober 2011

Das Kampot-Kep-Krebs-Komplott

Am 17.04.2011 dokumentiert unser Tagebuch diese typischen Backpackerleiden, die ich mir zeitgleich zugelegt hab: Durchfall, Erkältung mit Husten und Schnupfen, juckende Sandflybisse, Auspuffverbrennungen an der Wade vom Mototransport, Schnittverletzungen an der Fußsohle von einer Muschel in die ich getreten bin, eine leichte Quallenverbrennung vom Schwimmen und etliche Mückenstiche.

So gebeutelt landen wir in Kampot. Das ist nicht etwa ein Nachtisch sondern ein beschaulicher Ort an der Südküste Kambodschas. Es gibt hier nichts wirklich Aufregendes und deshalb ist es auch nicht schlimm, daß ich einige Tage etwas kränkel.

Hüttengecko in Kampot

Dieser farbenfrohe Gecko hier sitzt jeden Abend an der Außenwand unserer Hütte in Kampot und tut sich an den Insekten gütlich, die sich -ganz öko- vom Energiesparlampenlicht haben anlocken lassen.

Natürlich kann man auch was unternehmen. Also z.B. auf solchen Straßen zu solchen Orten fahren.

Salzfelder? Seegrenze südlich von Kampot

Du denkst das ist langweilig? Dann warst Du noch nicht an unserem nächsten Stop in Kep. Die Hauptattraktion hier ist kulinarischer Art in Form von Krebsen, die mit einer tatsächlich extrem leckeren Soße zubereitet zum Verzehr angeboten werden. Aus mir unbekannten Gründen haben die Biester blaue Zwicker. Sie werden in diesen Körben wenige Meter vor der Seeterasse des jeweiligen Restaurants gehalten und bei Bedarf an Land gezerrt.

Blaukrebse Überfahrt nach Koh Tonsay

Einen Tag setzen wir auf die nah gelegene Insel Koh Tonsay über. Angeblich kann man hier Schnorcheln. Kann man auch - wir habens ausprobiert! Zu sehen gibt's allerdings nix. Auf der Insel kann man aber bestimmt gut bleiben, um sich hier dem Dasein hinzugeben und 'ne Weile stilvoll abzuhängen.
Gleich gegenüber auf vietnamesischer Seite liegt allerdings Phu Quoc. Das hab ich deutlich idyllischer in Erinnerung. Vielleicht ist meine Wahrnehmung aber auch noch von den Kombinationen meiner abklingenden Backpackerleiden getrübt. Aber nein, Phu Quoc liegt viel weiter draußen im Meer und solche Strände gibt's auf Koh Tonsay nicht.

Montag, 5. September 2011

Korruptes Kambodscha

Von unserer zweiten Heimat in Bangkok organisieren wir unseren letzten großen Loop durch Indochina. Wir wollen über Land durch Kambodscha und weiter nach Vietnam. Da wir beide Länder schon früher besucht haben, wollen wir jetzt in die Ecken, die wir noch nicht kennen. Wir schiessen also bei AirAsia einen günstigen Rückflug von Hanoi nach Bangkok, sodaß wir mit ein paar Tagen Puffer unseren Heimflug erwischen sollten. Für die Tour bis nach Hanoi bleiben uns noch ca. 2 Monate.

Eigentlich soll es zuerst in die Preah Vihear Province im Norden Kambodschas gehen - am liebsten mit 'nem Motorrad. Doch es gibt wieder einmal Streitigkeiten mit Thailand um die Tempelanlage im Grenzgebiet und ein paar Tage zuvor sind dort Soldaten erschossen worden. Also peilen wir stattdessen Battambang im Süden an.

Der Grenzübergang Aranya Prathet-Poipet ist berüchtigt für seine zahlreichen Scams. Meist geht's darum, die Touristen in einen überteuerten Bus nach Siem Reap zu setzen. Gatt sei Dank kennen wir den Grenzübergang und die üblichen Spielchen schon. Aber hier ein paar Klugscheißer-Tips die helfen können, nicht in die Falle zu tappen:
  • Noch auf thailändischer Seite wird einem Hilfe für das Visum angeboten. Wie diese Hilfe aussehen soll, weiß ich nicht. Mit Sicherheit erleichtert sie einem aber das Budget. Entweder man hat sich das Visum schon in Bangkok besorgt oder man holt es sich so wie wir direkt am Grenzschalter.
  • Im Grenzbereich wird man von offiziell aussehenden Uniformträgern auf den kostenlosen Shuttlebus hingewiesen. Der is aber nur bis zum Terminal kostenlos. Danach wirds teuer und es ist schwer von da wieder wegzukommen.
  • Die kambodschanischen Grenzbeamten haben den vollkommen berechtigten Ruf korrupt zu sein. Wenn man seinen Pass noch nicht zurück hat, siehts schlecht aus und man ist gezwungen ein kleines Schmiergeld zu zahlen. Der offizielle Preis fürs Visum (ich glaub USD20) steht groß dran. Unser Grenzer hat mir die Pässe aber schon zurückgegeben, als er zu mir meint: "Hey, give me 50 Baht." Darauf gibt es von mir die einzig richtige Antwort: "No".
  • Wenn Du an 'nem Busterminal landest, von dem offensichtlich nur Westler losfahren und Du 'nen bunten Aufkleberpunkt aufs T-Shirt gedrückt bekommst (Touri-Tagging), kannst Du sicher sein, daß Du gerade abgezockt wurdest.
Boxenstop kurz hinter Poipet

Der Versuch sich die Touts vom Leib zu halten, endet bei mir leider meist darin, daß ich einfach jeden möglichst abweisend und unfreundlich behandle, der uns irgendwelche Hilfe anbietet, um die ich nicht gebeten hab. Statt uns von Fremden anquatschen zu lassen, gehe ich also lieber selbst auf Einheimische zu, die offensichtlich grad im Aufbruch nach irgendwo sind. Wir finden nach kurzer Zeit einen Pickup, der nach Battambang fährt und nach nicht ganz so kurzer Feilsche-Zeit, uns für einen fairen Preis mitnimmt - 150 Baht, wenn ich mich recht erinnere.

Bananen-Brücken-Begegnung bei Battambang

Wie fast überall in Kambodscha, gibt es auch hier Tempel zu erkunden. Wir machen das an mehreren Tagen per Moped oder Fahrrad. Dabei treffen wir auf freundliche Verkaufe-Frauen und neugierige Mönche.

Mini Mönch verfolgt Ramona Abstieg vom Wat Banan

Kambodscha ist meist flach wie ein Eierkuchen, was man hier im Hintergrund vom Phnom Sampeau ganz gut sieht. Auf der Rückfahrt überholen wir diesen typischen Federvieh-Transport.

Blick von Phnom Sampeau Entenexpress

Unsere Unterkunft im Ort hat erstaunlich hohen Komfort und "free WiFi". Da wir als nächstes nach Phnom Penh wollen, belese ich mich beiläufig auf WikiTravel und erfahre dort von den gefürchteten Brick-Attacks. Dabei wird angeblich aus fahrenden Autos mit 'nem Ziegelstein vorzugsweise auf weiße Westler geworfen, um sie dann auszurauben. Der Eintrag hörte sich ursprünglich aber viel drastischer an und war viel detaillierter beschrieben. Hab ihn mal in der History aufgestöbert:

According to The Phnom Penh Post there has been a string of unprovoked brick attacks on foreigners along Riverside in 2010. The brick is generally aimed at the head, and is thrown from a moving SUV. The Post reports eight injuries to date, though the toll may be higher. Police have denied that these attacks are occurring. As of Oct/Nov 2010 these have stopped. Rumors and denials have lead to no charges, but most people can take a guess at the type of person to through a brick at a foreigner from a $50,000 Lexus SUV.

In Phnom Penh angekommen deprimiert uns erstmal viel mehr unsere Unterkunft am Stadtsee Boeng Kak. Dieser See wird nämlich gerade von 'ner koreanischen Firma trockengelegt, um darauf Eigentumswohnungen oder sowas zu bauen. Das ist nicht nur total bescheuert sondern auch ein trauriger Anblick, denn die Guesthouses am See werden nach und nach auch geplättet.
Hinzu kommt, daß die Sehenswürdigkeiten Phnom Penhs ebenfalls meist trauriger Natur sind. Wenn man tagsüber die Killing Fields oder das Tuol Sleng Museum besucht hat, schaut man abends nicht gerne auf einen sterbenden See und halb abgerissene Gebäudefronten. Nach 2 Nächten wechseln wir in eine freundlichere Umgebung in der City.

Mit Vorliebe lassen wir uns von älteren Moto-Männchen durch die Stadt kutschieren. Die nehmen uns beide auf einem Mopped mit und begnügen sich mit 3000 Riel pro Fahrt.
Den angeblich chaotischen Verkehr in der Hauptstadt kann ich zunächst nicht nachvollziehen, das liegt evtl. aber auch daran, daß gerade 'Khmer New Year' ist und die meisten Leute aufs Land zu ihren Familien sind. Um das zu überprüfen, folgen wir ihnen an die Küste nach Sihanoukville.

Neujahrs-Anbaden

Und tatsächlich, hier sind alle versammelt, um das neue Jahr zu begüßen und zu begießen. Wie so oft in Asien baden die Einheimischen vollständig bekleidet, also z.B. in langen Jeans und Hemd. Gesoffen wird aus meiner Sicht genauso stark wie in europäischen Kulturkreisen.

bekleidetes Baden Strandtreiben

Um die Gegend um Sihanoukville zu erkunden, leihen wir mal wieder ein Moped. Wir bekommen noch den Hinweis, unbedingt diese abenteuerlichen Papphelme aufzusetzen, die weder auf einen europäischen Kopf passen noch irgendeinen Schutz bieten. Aber die Polizei lauert nur darauf, einen Westler ohne Helm zu erwischen.

Prompt werden wir von 'nem Polizeitrupp rausgewunken - wir tragen beide vorschriftsmäßige unsere Pisspötte aufm Kopp. Der eine Verkehrshüter will meinen Führerschein sehen und sagt ich wär in eine Einbahnstraße gefahren. Da hat er zwar recht, nur trifft das auf alle anderen die grad hinter uns langfahren genauso zu. Außerdem müßte ich auch tagsüber mit Licht fahren. Ich soll USD5 Strafe zahlen! Zähneknirschend handel ich ihn auf einen Dollar runter und bekomme meinen Führerschein zurück.

Doch damit nicht genug. Zehn Minuten später werden wir an einer anderen Kreuzung von einem anderen Polizisten rausgewunken. Er will meinen Führerschein. Da auch ich dazulerne, lasse ich ihn diesen von beiden Seiten anschauen, ohne ihn aus der Hand zu geben. Auch wenn er immer wieder danach grabscht. Er sagt, daß ich tagsüber nicht mit Licht fahren dürfe und deshalb eine Strafe zu zahlen hätte!! Da ticke ich fast aus und erkläre ihm aufgebracht, daß mir seine Kollegen 1 km weiter vorne gerade das Gegenteil erzählt haben. Ich glaub, ich reg mich so auf, daß er ein bißchen Angst kriegt. Auf jeden Fall lasse ich ihn ungeschmiert dastehen und wir zischen ab.
Am nächsten Tag versucht !derselbe! Bulle uns nochmal rauszuwinken. Ich halte erst gar nicht, sondern drohe ihm wütend mit der Faust und schlängele mich waghalsig an ihm vorbei. Ein bißchen Schiß hab ich dann doch, daß nun gleich eine wilde Verfolgungsjagd beginnt. Aber nix passiert.

Später in Phnom Penh erleben wir noch abenteuerlichere Fahrerfluchten. Komischerweie haben die Unbestechlichen es da auf Einheimische abgesehen und versuchen sie während der Fahrt vom Moped zu zerren. Doch die befreien sich mühelos von den Plagegeistern und setzen ohne Hast ihre Fahrt fort. Für Verfolgungsaktionen fehlt den Beamten offensichtlich der Sprit. Fahrerflucht in Kambodscha ist also absolut gängig und kann von mir nur wärmstens empfohlen werden.

Freitag, 19. Mai 2006

Kambodscha - Tempelitis

Kambodscha sieht aus wie Indien mit Thailaendern drin. Zumindest die Strasse von der Grenze bis nach Siem Reap kann voll mit den indischen konkurrieren - und die Leute sehen aus wie unsere Krankenschwestern in Bangkok :)
Die Kambodschjanerinnen und -indianer sind genauso freundlich aber nochmal deutlich entspannter und lassen es richtig ruhig angehn. D.h. Haengematte ist Satz und um die bruetende Mittagszeit herum geht garnichts. Auf unserer Tempeltour haben wir das genossen und das Angebot, nach unseren Mittagssuppen, -reis oder Khmer-Curry-Ensembles, ein halbes Stuendchen in der Matte abzuhaengen, gerne angenommen.

Kambodscha ist immer noch Minengebiet und in vielen Gegenden ist es ratsam, auf den befahren Strassen zu bleiben und nicht frei im Gelaende herumzustreifen.

Minenfeld

Nach wie vor gibt es jede Menge Minenopfer, vor allem auch Kinder, und man sieht viele Menschen mit Amputationen und Verstuemmelungen.

Damit nicht genug, erholt sich das Land immer noch vom Khmer Rouge System (1975-79), welches Millionen Todesopfer gefordert hat. Davon hatte ich vorher noch nie gehoert. Da sieht man mal, wie wenig man von fremder Geschichte weiss. Es gibt jede Menge Zeugnis davon - hier sind wir an einer Schule fuer Waisenkinder, wo fuer die Gedenkstaette die Schaedel und Knochen einiger tausend Opfer gesammelt wurden. Wenn man dichter rangeht erkennt man die Spuren der Folterungen und Hinrichtungen.

Knochen

Das Buch "The Gate", welches ich gerade lese, handelt von einem Franzosen, der als einer der wenigen als Gefangener eines Konzentrationslagers ueberlebt hat. (siehe Buecherliste).

Die Tempelanlagen von Angkor sind Kambodschas Gelddruckmaschinen. Fuer unseren 3-Tages Pass waren US$40 pro Nase faellig - und man ist da nicht alleine unterwegs! Besser ausgedrueckt: Ich hatte die Gelegenheit die hohe Kunst des 'Bild ohne Fremd-Touristen schiessen' bis zur Perfektion zu verfeinern...

Baum frisst Ruine

Deshalb sind solche Aufnahmen nicht nur wegen der unglaublichen 'Natur siegt ueber Mensch'-Zeugnisse so beeindruckend, sondern auch, weil man dafuer praktisch Schlange stehen, bzw. ein gutes Timing entwickeln muss. Die meisten Leute muessen auch unbedingt mit aufs Bild, was die Sache zusaetzlich erschwert. Andererseits sieht man dadurch besser wie gigantisch gross die Baeume sind, die sich da ins antike Gemaeuer gefressen haben.

Baum frisst Ramona

Aber richtig schlimm wars eigentlich nur bei Angkor Wat selbst und da waren wir erst am letzten Tag und praktisch schon total tempeltourmuede. Bei den anderen Tempeln, die uns meist viel besser gefallen haben, war man durchaus auch mal 2min allein.

Hintereingang Angkor Wat

Wir haben schnell herausgefunden, dass man mit einer antizyklischen Vorgehensweise viel entspannter und ungestoerter die Tempel erkunden kann. Das faengt schon beim Transportmittel an. Die meisten lassen sich mit 'nem TukTuk (das ist wie 'ne Rickshaw, mit 'nem Moped vorne dran) zwischen den Tempeln herumkutschieren. Wir haben zuerst Fahrraeder genutzt und spaeter Elektrobikes - total geil. Die machen 30 Sachen und sind dabei absolut geraeuschfrei.

Elektrobike-Angkor-Thom-Braut

Einmal wurde ich jedoch Opfer eines fiesen Sabotageaktes. Nach einer Tempelerkundung + Mittagsauszeit machte mein Bock nur noch auf halbe Kraft. Die Akkus kann man an Elektrobike-Stationen (alle paar Kilometer) gegen frische eintauschen. Nur hat das dieses mal keine Abhilfe gebracht. Ich hab an jeder Station den Akku wechseln lassen und die Problematik erklaert. Aber keiner konnte helfen oder konnte/wollte unser Englisch verstehen. 15km/h ist aber praktisch wie schnelles Gehen und nach kurzer Zeit warn wir trotz interessanter Umgebung ziemlich gefrustet.

Gegenueber der Terrace of Elephants

Schliesslich konnte ein freundlicher Einheimischer Abhilfe schaffen, indem er einfach eine elektrische Steckverbindung aufgetrennt hat.
Da haben wir festgestellt, dass die Elektrobikes standardmaessig im getunten Modus laufen und eigentlich nur 15km/h schnell sein sollten. Irgendjemand - wahrscheinlich einer der 'unbestechlichen' Verkehrspolizisten - hat also in unserer Abwesenheit die Kaebelchen zusammengesteckt und mich dadurch ausgebremst.
Naja, nach dem Re-Tuning konnte ich die Kiste wieder im roten Bereich betreiben und da die Einheimischen extrem langsam fahren, kann man schon mal das ein oder andere Moped ueberholen. Die 4-5 Leute pro Moped freuen sich dann immer total und winken, worauf ich mit einem Power-Hupen-Konzert geantwortet hab. Von anderen Alternativen zur Fortbewegung haben wir abgesehen.

Elektrobike oder Elefant?

Von der totalen Ueberbelegung der Mopeds abgesehen, haben die meisten auch noch total abgefahrene Heckkonstruktion mit denen sich diverse Dinge transportieren lassen, z.B. 50 tote Huehnchen auf Stangen aufgehaengt. Am geilsten sieht es aber aus, wenn sich einer 2-3 tote Schweine hinten quer auf den Paecki geschnallt hat.

Offizielle Waehrung ist der Riel (so wie 'unreal'). Gezahlt wird aber auch in thailaendischen Baht; hauptsaechlich aber in US$. Wenn man in US$ bezahlt, bekommt man sein Wechselgeld meist in Riel zurueck. Wenn man bei dem Durcheinander an Waehrungen dann auch noch wissen will wieviel Euro man grad verprasst hat, wirds richtig kompliziert. Mit €200 ist man jedenfalls Millionaer (1€ sind ca. 5000 Riel).

Hatte ich erwaehnt, dass man an den einzelnen Tempelanlagen Heerscharen von Kindern abwimmeln muss, die einem jede Menge sinnvolle und sinnlose Dinge verkaufen wollen/muessen. Als bekennender Anti-Shopper haben sie damit bei mir natuerlich keine Chance - abgesehen von ein paar gekaehlten Getruenken. Stattdessen hab ich die Luetten in Gespraeche verwickelt und sie mit unsern Baguettes gefuettert, dann werden sie wieder zu ganz normalen Kindern und nicht mehr so zudringlich.

Kleine Touts

Die kleinen Scheisser sprechen erstaunlich gut Englisch und ein paar Brocken aller weiteren, von Touristen vertretenden, Sprachen.

WasserradAm letzten Tempeltag haben wir noch dieses lustige Wasserrad entdeckt - bedingt durch die Schleichgeschwindigkeit, hervorgerufen durch o.g. Sabotageakt. Es hat alles seinen tiefen Sinn :)

en route

Ramona und Eric auf Piste

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Norbert Lüdtke
Selbstreise-Handbuch


William Sutcliffe, Axel Henrici
Meine Freundin, der Guru und ich



Dieter Riemenschneider
Shiva tanzt. Das Indien-Lesebuch.



Dominique Lapierre
The City of Joy


Francois Bizot
The Gate


Yann Martel
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