Liebes Tagebuch,

Castlepoint - gefährlich zack - ist die Neuseelandzeit schon rum und ich hab Dich nicht mehr beschrieben, seit wir die Südinsel verlassen haben. Jetz ist es aber wieder Zeit für Neid und im Schnelldurchlauf will ich von der dollen Natur im Norden berichten und auch nur ganz wenig dazudichten.

Gleich der Castlepoint an der Ostküste hat sich als echter Hingucker erwiesen. Da steht eigentlich nur 'n Leuchturm und gegenüber ein steiles Kliff auf dem Ramona hier grad sitzt und so tut, als ob sie nich die Hosen voll hätte. Direkt hinter ihr geht's aber ab wie Schmitz Katze - ein paar hundert Meter nach unten. Solch waghalsige Sachen sind nichts mehr für alte Menschen, deshalb halte ich mich in sicherer Distanz...

Castlepoint - ungefährlich

Fest im Programm hatten wir das Tongariro-Crossing, ein sehr populärer Eintages-Marsch zwischen den Vulkanlandschaften des Mt. Ngauruhoe, Mt. Tongariro und Mt. Ruapehu. Das DOC ließ aus Wettergründen aber niemanden da rauf. DOC ist hier keine Word-Datei, so wie bei Euch zu Hause, sondern die Umweltabteilung Neuseelands. Die kucken sich praktisch an, was die eingefallenen Europäer alles kaputtgemacht haben und versuchen es rückgängig zu machen, oder - falls doch noch was übrig sein sollte - versuchen sie, daß dort nicht mehr ganz so doll drauf rumgetrampelt wird. Gleichzeitg sorgen sie sich aber auch indirekt um Dein Wohl, Du sollst nämlich nich in 'nem plötzlichen Schneesturm in den Alpen verrecken.

Champagne Pool Als Plan B sind wir dann erstmal weiter ins Landesinnere. Zwischen Taupo und Rotorua ist die ganze Landschaft dort vulkanisch aktiv. Dies hier ist der Champagne Pool im Waiotapu Thermal Wonderland. Dort dampft, zischelt, blubbert und vor allem stinkt es an jeder Ecke und zum Himmel.





Blubb Außer dem Geysier, dem mit etwas Seife auf die Sprünge geholfen wird, gibts gleich nebenan noch ein paar Mudpools, die am ehesten mit Verona-Spinat vergleichbar sind.




East Cape Weil wir nun schon mal da waren, sind wir auch gleich noch das Ostkap abgefahren, wo es eigentlich nix zu sehen gibt, außer diesem Inselchen direkt vorm Kap..




kleines graues Eselchen ... und diesem lustigen Eselchen auf dem Rückweg - herrlich. Dieses Eselchen hat entweder 'nen Kiwi verschluckt oder ist schwanger... wunderbar.








Kraxel-Huber

Als wir das erledigt hatten, haben wir 'nen zweiten Anlauf gemacht, immer nach dem Motto - Tongariro Crossing im Sommer, kann doch jeder.

Steigeisen-Stefanie In einer geführten Tour mit Steigeisen und Spitzhacken konnte es dann losgehen. Die Sachen waren zwar nicht wirklich notwendig - machten sich aber ganz gut für die Fotos.








Red Crater

Was soll ich sagen - geiles Wetter, klare Sicht, nasse Füße, zwei nette Rentenversicherungsfachangestellte - was will man mehr.

Abstiegspause Der Marsch hatte auch 'ne kleine Gratwanderung inklusive, wo ein schönes kaltes Lüftchen wehte und den Abzugsfinger gefrieren ließ. Natürlich war das kein Vergleich zu der Gratwanderung, die Winnetou uns auf dem GocheLa-Trek geboten hat...


Glühwürmchen Wüber weiteres Wildlife wollten wir wbei Waitomo wundern. Ich weiß, das sieht aus wie Polarnacht, da sind aber jede Menge Glühwürmchen drauf, die ihre Laterne angemacht haben. An den eigentlichen Waitomo-Caves, wo die Touristenbusse halten, sind wir direkt vorbeigefahrn. Ein paar Kilometer weiter hatten wir unsere Höhle ganz für uns allein, kostenlos - und nachts konnten wir die Glühwürmchen besuchen - und fotografieren! Das ist bei den Bezahlhöhlen untersagt, wahrscheinlich weil 80% der Leute nicht wissen, wie sie den Blitz an ihrer Kamera ausschalten können.

Kiwi Neuseeland ohne Kiwi geht natürlich auch nich - da die aber nachtaktiv und fast ausgestorben sind, haben wir welche in ihrer künstlichen Welt angeschaut. Das bemerkenswerte: Ich dachte immer, die sind so groß wie die Kiwi-Frucht. Stimmt aber nich, die sind deutlich größer als ein Haushuhn. Außerdem werden die zwar als flightless gehandelt, haben aber schon noch rudimentäre Flügel - die man aber nur sieht, wenn man sie rupft, aber das tut man ja nich.

Blick ins Wohnzimmer War sonst noch was? Nun, an Auckland vorbei nach Norden haben wir fast 3 Tage an den Kaiiwi-Seen verbracht. - Einmal weil es da so schön war und zum andern weil in Ramonas Geburtstagspäckchen eine "Welt am Sonntag" und die September-Ausgabe der Neon mit drin waren. Ach herrlich, mal wieder was in deutsch zu lesen. Achso, unbedingt lesen: "Kaufen Sie sich eine Ukulele", ein Interview mit 'nem Typen, der das Buch "Anleitung zum Müßiggang" geschrieben hat - nicht zu verwechseln mit "Anleitung zum Faulsein"! Außerdem bin ich stundenlang den Sudokus in der Welt erlegen und konnte Ramona ebenfalls sudoku-süchtig machen. Wahrscheinlich eine Auswirkung mangels interlektueller Aufgaben in unserer derzeitigen Welt.

Fischanlocker Als wir genug vom Müßiggang hatten, sind wir rüber zur Bay of Islands und haben uns nach kurzem für und wider zu einem Tauchgang bei den Poor Knights Islands hingerissen. Ich sag's mal so wie es ist: Tauchen hat nur in Äquatornähe seine Berechtigung. Es ist ja nicht nur die mangelnde Tier- und Pflanzenwelt (hauptsächlich Kelp) sondern auch die Temperaturen. Trotz dicker Neoprenanzüge mit Kopfhauben konnten wir noch gut zittern. Der Divemaster lockt hier mit obszönem Handzeichen Fische an - was auch noch funktioniert.

Scorpionfish Das Thema Tauchen beenden wir deshalb auf dieser Reise - in Südamerika ist das auch keine Option - höchstens in der Karibik und die steht nich aufm Plan.





Pool buddeln... Da uns Tage danach noch kalt war, kam uns der Hot Water Beach auf der Coromandel-Halbinsel genau recht. Da kommt am Strand heißes Wasser aus dem Sand und man kann sich mit 'nem Spaten, oder auch ohne, 'nen Pool basteln. Wir hatten ähnliches vorher schon mal in Kawhia probiert, waren da aber nicht geduldig genug, um auf die Ebbe zu warten. Hier war die Ebbe grad um die Mittagszeit, also genau richtig, außer daß man seinen Pool gegen viele andere Badewütige verteidigen mußte.

...und reinsetzen Das hätte man vermeiden können, wenn man um Mitternacht losgezogen wäre, so wie einige Einheimische, die nachts neben uns geparkt haben und mit ihren Spaten los sind. Wir konnten uns nur nicht durchringen, unseren kuscheligen Raumgleiter zu verlassen, obwohl es eine herrlich sternenklare Nacht war - naja, nächstes mal.

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