Philippinen - Mitte

Von allen Seiten hört man immer wieder wie billig das Fliegen zwischen den Inseln der Philippinen sei. Das gilt offensichtlich nur für Frühbucher. Vielleicht wußten wir zu dem Zeitpunkt auch einfach noch nichts von Zestair. Auf alle Fälle ist unser erklärtes Ziel mit öffentlichen Verkehrsmitteln, also Fähren und Bussen von Coron auf Busuanga zum Sugar Beach auf Negros zu gelangen. Wir brauchen dafür 3 volle Tage.

Auf der Banka nach San Jose (Mindoro) verwickle ich das Bootspersonal in eine Grundsatzdiskussion über die Ungleichbehandlung von Bleichgesichtern. Wie so oft zahlen alle Einheimischen 500 Pesos für die Überfahrt, wir sollen aber 600 löhnen. Das geht ungefähr so:

ich: Wir zahlen 500, so wie alle anderen auch.
Bootsmann auf der Banka: Nein, für Ausländer kostet die Überfahrt 600.
ich: Wir sollen mehr zahlen weil wir weiß sind, das ist Rassismus.
Bootsmann auf der Banka: Nein, nicht wegen der Hautfarbe, sondern weil ihr Ausländer seid.
ich: Woher weißt Du, daß wir Ausländer sind?
Bootsmann auf der Banka: *rumdrucks* Weil ihr anders ausseht und die Sprache nicht sprecht.
ich: Aha, weil wir weiß sind, also bist Du doch Rassist.
Bootsmann auf der Banka: Nein, ...
usw. usw.

Es ist aussichtslos. Wir kommen nur gegen das erhöhte Entgelt mit. An Deck schließen wir Feundschaft mit einem echten Cowboy - zumindest sieht er so aus. Er und seine Kumpels haben schon den Weitertransport nach Roxas an die Ostküste der Insel organisiert. Wir hängen uns an sie ran und dürfen uns mit in ihren Kleinbus quetschen. Obwohl spät abends noch eine Fähre Richtung Panay geht, entscheiden wir uns, eine Nacht in Roxas zu verbringen, weil wir schon total kaputt sind. Der Ort ist nicht auf Gäste vorbereitet und die Nahrungssuche gestaltet sich schwierig. Ich esse einen abenteuerlichen "Burger" bei dem die Fleischscheibe durch eine Art zähflüssigen Gummi ersetzt ist.

Sonnenschirm Dreiräder???

Rauf mit uns!

Tags darauf geht's mit einem neuartigen Sonnenschirm-Dreirad zum Anleger und mit einer richtigen (großen) Fähre auf nach Caticlan. Von Bord haben wir einen guten Blick auf den Hauptstrand von Boracay. Vermutlich der Nr.1-Touri-Hotspot der Philippinen. Das bunte Strandtreiben bestätigt jedenfalls diese Annahme.
Doch davon lassen wir uns nicht ablenken und schnappen uns den nächsten Bus nach Iloilo. Dort hilft uns ein freundlicher Iraner eine Bleibe für die Nacht zu finden. Er setzt uns in sein Auto, klappert mit uns mehrere Hotels und Guesthouses ab und verweigert jegliche Entschädigung dafür.

Fähre, Bus - Fähre, Bus - Fähre, Bus - Die Hölle!

Am Tag 3 unserer Odyssee setzen wir nach einer weiteren Fähre endlich Fuß auf Negros und peitschen südlich Richtung Sipalay. Kurz vorher springen wir an 'nem unscheinbaren Abzweig aus dem Bus, nehmen für einige idyllische Kilometer ein Tricycle und lassen uns von ein paar Rotznasen über 'nen Fluß rüberstaken. Auch diesen kleinen Scheißern muß ich vorab klarmachen, daß wir uns dafür nicht abzocken lassen.
Schließlich marschieren wir mit unseren Rucksäcken noch ca. 1km am Strand entlang, bevor wir genau zum Sonnenuntergang und zum allabendlichen Volleyballmatch das Driftwood Village erreichen. Vor dieser Kulisse müssen wir das kitschigste Backpackerbild abgeben, das man sich vorstellen kann - aber irgendwie auch ganz wunderbar.

Der Strand ist also ziemlich schwer zu erreichen - aber genau das macht den Reiz aus. Es gibt eigentlich keine echten Highlights am Sugar Beach, der Strand ist nich einmal zuckerweiß, wie der Name vermuten ließe. Auch ist es bestimmt nicht der schönste Strand, der uns untergekommen ist. Aber wie so oft ist es die richtige Mischung, die einen Ort besonders macht. Für uns haut es hier mal wieder genau hin.

Der typischer Tagesablauf sieht in etwa so aus: Baden, Frühstücken, Philosophieren, Baden, Mittag, Philosophieren, Schattendasein, Abwarten daß es kühler wird (evtl. mit Philosophie), allabendliches Volleyballmatch, Baden, Bier, Abendessen, Bier, Tischkicker, Bier, Billiard, Bier.

Meistens machen wir Weltpolitik und Philosophie mit Dieter* (*Namen vom Autor identisch belassen), einem ehemaligen Nachrichtenredakteur von ntv der Geschichte und ostdeutsche Literatur studiert hat. So lösen wir im Gespräch die großen Weltprobleme unserer Zeit und lernen z.B. daß heute noch Menschen in Afrika versklavt werden, damit wir alle - ich mein natürlich IHR alle - immer das neueste iPhone, iPad usw. haben.

Tschüß Driftwood Village

Eingelullt in dieser trägen Selbstzufriedenheit streichen die Tage dahin, bis das Bargeld aufgebraucht ist. Erst beim Abschied wird mir klar, daß ich so gut wie keine Bilder gemacht hab. Die Mädels, die den Laden schmeißen - alles Schwestern oder Cousinen, eine hübscher als die andere - bereiten uns eine herzliche Abschiedszeremonie, sodaß man am liebsten gleich dableiben will.

Doch unser nächster Halt - Dumaguete - lohnt sich. Hauptsächlich wegen der nahegelegenen Tauchgründe von Apo Island. Nach einem Tagestrip entscheiden wir uns mit Sack und Pack für ein paar Tage auf die Insel zu ziehen, um ausgiebiger zu tauchen und zu schnorcheln.

Tornado Frogfish

Das Riff ist in einem erstaunlich guten Zustand. Beeindruckend sind die Jackfish-Tornados, die über uns hinwegziehen. Der häßliche Vogel daneben ist mir nun schon öfters begegnet und nennt sich angeblich Frogfish. Fast jeder Tauchgang bietet eine Begegnung mit einer Schildkröte. Natürlich ist die Schildidichte nicht so hoch wie auf Turtle Island :)

Nachttaucher

Hier sieht man von unserem Balkon die Lichtkegel von mindestens zwei Nachttauchgängern. Und hier antike Nachrichtentechnik - Ramona als Winkelement.

Winkelement

War sonst noch was? Ahja, Bohol ist Pflicht wegen der Chocolate Hills und der Tarsiere. Zuerst werden wir aber von diesen Drachen hier begrüßt. Da wir gleich 3 davon bei unserer Ankunft im Nuts Huts antreffen, gehe ich davon aus, daß die sich immer da rumtreiben. Andere Backpacker, denen wir davon berichten können später aber keins der Tiere mehr aufspüren und auch wir haben keine weiteren Leguan-Sichtungen - offensichtlich kommen die nur einmal im Jahr bei Regen raus.

Iguana

Für die Chocolate Hills lassen wir uns von sintflutartigem Dauerregen den ganzen Tag auf dem Mopped kalt abduschen. Die Hügel sollten eigentlich braun sein zu unserer Besuchszeit. Dank Klimawandel oder weiß der Teufel weswegen, sind die aber knallgrün. Deshalb benamse ich sie um zu Iguana Hills. Hoffe der neue Name hat sich inzwischen durchgesetzt...

Iguana Hills

Bei den boholschen Koboldmakis ist die braune Färbung dagegen nicht abzustreiten. Deshalb taufe ich sie kurzerhand um. Sie heißen jetzt Chocolate Tarsiers. Deren sulawesischen Cousins sehen aber nicht ganz so rattenhaft aus und gefallen mir deshalb besser.

Chocolate Tarsier schläfrig Chocolate Tarsier hellwach

Die Chocolate Tarsiers, die man hier im Wildgehege antrifft, erfreuen sich auch nur so einer Art DDR-Freiheit. D.h. es ist zwar ziemlich weitläufig, aber da ist trotzdem ein Zaun drum. Wohingegen die Koboldmakis auf Sulawesi tatsächlich in freier Wildbahn anzutreffen waren.

Ab jetzt regnet's quasi ununterbrochen, was aber auch der nukleare Fallout von Fukushima sein kann. Nichtsdestotrotz steuern wir mit Hilfe weiterer Fähre-Bus-Kombinationen Richtung Osten.

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