Warum uns Südostasien so fasziniert

Über ein Jahr sind wir durch fast alle Länder gereist, die unser "Southeastasia on a shoestring" hergibt. Natürlich kann man die Länder nicht alle über einen Kamm scheren, schon wegen der verschiedenen Religionen, Sprachen und Stämme. Gerade in Indonesien oder auch auf den Philippinen ist jede Insel eine eigene Welt. Ich versuche trotzdem mal zu erklären, was uns an Südostasien eigentlich so fasziniert.

Kurz geradelt und schon mittendrin

Egal wohin wir kommen, sind wir sofort mittendrin im Leben, weil es ganz einfach auf der Straße stattfindet. Überall werden wir von neugierigen, lachenden oder kichernden Menschen begrüßt. Von irgendwo kommt immer ein "Hello" oder gleich das obligatorische Frageset "What's your name?", "Where you from?" und "Where you go?". Dabei ist es egal, ob wir überhaupt antworten oder sagen wir wären aus Island. Die Antwort zählt nicht, Hauptsache sie konnten uns irgendwie ansprechen oder vielleicht sogar anfassen. So ungefähr müssen sich wohl Rockstars fühlen.

Vietnamesische Obstverkäuferinnen

Auf den Straßen herrscht immer Trubel. Alles was man trinken, essen oder gebrauchen kann, wird von fliegenden Händlern verkauft und die sind wahre Meister ihres Fachs. Egal ob Handwagen, Dreirad oder Moped, aus allem kann man einen mobilen Laden machen. Es sitzt jeder Handgriff und für jedes Messer oder Tütchen gibt es einen ganz bestimmten Platz. Kaufen können wir dann mundfertig geschnittenes Obst, Fleischspieße mit Klebreis, Eierkuchen oder Nudelsuppe. Die etwas aufwendigere Form der fliegenden Händler sind dann die mobilen Straßenrestaurants. Eine ganze Suppenküche mitsamt Töpfen, Geschirr, Plastetischen und -stühlen passt nämlich lockerleicht auf einen Handwagen.

Straßenküche in Phnom Penh

Erkennen kann man alle Verkäufer an ihrer allgemeinen Vermummung. Um sich gegen die Sonne zu schützen, haben sie nicht nur Hüte auf, sondern ziehen sich Handschuhe und Socken an. Vermummte Verkäuferin in Kambodscha Gegen die schlechte Luft noch einen Mundschutz und fertig ist die Verkleidung. Ach und die Socken haben extra eine Aussparung für den Flip-Flop-Steg, denn andere Schuhe gibt es kaum.

Zu den unzähligen Gerüchen kommt dann der Lärm des Verkehrs. Jedes Transportmittel wird heillos überladen - mit Menschen und Gütern - und gefahren bis es auseinander fällt. Die Verkehrsregel lautet "Der Größte hat Vorrang" ansonsten fährt jeder wie es für ihn am günstigsten ist. Das hört sich aber schlimmer an als es ist, denn alle fahren extrem langsam und niedertourig. So kann immer noch ein weiterer Passagier aufspringen oder man kann sich ganz einfach mit den Leuten auf dem Nachbarmoped unterhalten. Die minimale Beladung für Mopeds sind drei Personen, vierköpfige Familien der Durchschnitt. Auch ein Fahrrad wird niemals allein gefahren. Viele haben schon extra einen gepolsterten Gepäckträger für den Beifahrer.

Straßenszene in Phnom Penh

Auch wenn wir ab und an mal drei Stunden warten müssen bis der Bus voll ist und losfahren kann, beschweren sich die Einheimischen nie. Geduldige Reisende Sie warten geduldig und gut gelaunt, Zeit hat offensichtlich keinen Wert. Auch die Kinder ertragen es genauso, früher oder später schlafen sie alle auf den Schößen ihrer Mütter. Diese Genügsamkeit bedeutet allerdings auch, dass alles was sie tun oder bauen selten fertig oder heil ist. Alles ist irgendwie zusammengeflickt oder sieht oft nur von außen gut aus.

Natürlich fahren wir auch wegen der Landschaft nach Südostasien. Die wunderschönen grünen Reisfelder, die noch von Ochs und Mensch bestellt werden, die paradiesischen Strände, die unzähligen goldenen Tempel, die restlichen Urwälder und Korallenriffe begeistern uns einfach. Reisfeld mit Ochs und Mensch Meistens haben wir unsere Visa komplett ausgereizt, verlängert oder sind ein weiteres mal eingereist. So erhält man einen tiefen Eindruck abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Unsere Reisepässe sind bis auf wenige Seiten vollgeklebt und zugestempelt. Die Grenzbeamten gehen nicht besonders sparsam mit dem verfügbaren Platz um. Die Ein- bzw. Ausreisestempel landen dann auf zufällig aufgeschlagenen Seiten. Auf den Philippinen haben unsere Pässe wegen der anhaltenden Feuchtigkeit sogar zu schimmeln begonnen.

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