Sonntag, 22. August 2010

Kundenservice auf Indonesisch

auch wenn wir gerade in Malaysia sind, reiche ich jetzt mal ein paar Beispiele nach, wie die Indonesier es immer ganz stilsicher geschafft haben, uns den Tag möglichst unangenehm zu machen.

Essen gehen
Man sucht sich also ein Restuarant, das irgendwie einen guten Eindruck macht. Dabei kann es zu jeder Tageszeit passieren, dass die Bedienung gemütlich irgendwo übernickt, also sollte man unbedingt auf sich aufmerksam machen. Als nächstes kann man bis zu 10 Minuten Wartezeit einsparen, wenn man mit Elbenaugen den Stapel mit den Speisekarten ausfindig macht und sich schnell selbst eine holt. Ansonsten wartet man eben darauf, dass die Bedienung mit dem allgegenwärtigen und extrem gelangweilten Flip-Flop-Schlurfen, die Speisekarten bringt. Wenn man dann seine Bestellung auf den vorgesehenen Zettel geschrieben hat, kann man nochmals Zeit rausholen, indem man den Zettel selbst zum Tresen bringt. Das heißt aber nicht, dass der Zettel nicht doch noch in der Küche verloren gehen kann und man nach einer Viertelstunde gefragt wird, ob man die Bestellung noch mal aufschreiben kann. Wenn man Glück hat, bekommt man sein Essen in der nächsten halben Stunde, ansonsten kann schon mal 'ne Stunde vergehen. Auf jeden Fall werden die Gerichte aber niemals gleichzeitig serviert. Das könnte ja angenehm sein! Übrigens passiert einem dies alles nicht, wenn man am Straßenstand ißt, die Verkäufer sind richtig auf Zack.

Flugticket kaufen
Die Reisebüros sind gewöhnlich mit unzähligen Mitarbeitern besetzt, wobei jeder eine ganz genaue und natürlich wichtige Aufgabe bekommen hat, die uns aber irgendwie verborgen bleibt. Es scheint, als würden sie eigentlich nur im Internet surfen oder auf ihre Handys tippen. Die Bedienung der Kunden wird dabei nur einer oder maximal zwei Personen zugetraut. Man kommt also in ein Reisebüro, in dem es von Mitarbeitern nur so wimmelt, es nur noch einen weiteren Kunden gibt und man trotzdem warten muss. Wenn man dann rankommt, kämpft man als nächstes mit der Verständigung. Für Jobs im indonesichen Kundenservice ist es Voraussetzung, besonders gut flüstern zu können. Wir verstehen also nur die eher unwichtigen Details wie Abflugzeit, Flugdauer, Verpflegung oder ähnliches. Was für uns wirklich zählt, wie z.B. der Preis und das Datum, erfahren wir erst nach dreimal nachfragen. Es kommt auch vor, dass man der Dame hinter dem Schalter noch andere Fluglinien nennen muss, die ebenfalls auf der gewünschten Strecke fliegen. Irgendwann wird uns klar, dass es den Reisebüros jedenfalls nicht darum geht, uns das beste Angebot zu machen. Wenn wir dann ohne Buchung wieder abzischen, weil der Preis im Internet tausendmal besser ist, ist das den Mitarbeitern auch egal, dann können sie wenigstens wieder auf ihre Handys eintippen.

dann wolln wir mal

Für den Flug einchecken
Man sollte sich genau überlegen, ob man wirklich mit der billigsten Fluglinie Indonesiens fliegen möchte, aber wir haben es einfach mal probiert. Als wir also die Check-in Schalter von Lion Air erreichen, sind die drei Warteschlangen nur als verschieden große Trauben zu erkennen. Das erinnert uns irgendwie an Indien. Die erste Traube, die wir wählen, löst sich nach ein paar Minuten auf, weil der Schalter ohne Erklärung geschlossen wird. Wir versuchen es also bei der nächsten. Dabei müssen wir aufpassen wie Schießhunde, dass wir nicht rausgedrängelt werden. Die beliebteste Taktik ist es, von ganz hinten einfach nach vorne zu gehen und sein Gepäck auf die Waage zu legen. Aber das finden sogar die Schalterbeamten zu ungerecht und schicken die frechen Drängler harsch zurück ans Ende der Traube. Die nächste Taktik ist, sich unauffällig vom geschlossenen Nebenschalter zu nähern. Damit kamen einige sogar durch. So kommt es aber, dass der Schalterbeamte sich gezwungen fühlt, mehrere Kunden gleichzeitig zu bedienen. Jeder der also seine Ellbogen auf den Schalter legt und mit dem Buchungszettel unter seiner Nase wedelt, wird erstmal kurz bedient. Das funktioniert nicht so richtig und kein Vorgang wird dabei bis zu Ende erledigt. Dabei geraten manchmal die Buchungszettel und sogar die Pässe etwas durcheinander. Und dann hat ja jeder auch noch Gepäck. Es gibt nur einen Gepäckzettelklebejungen, der aber für zwei Schalterbeamte arbeitet. Alle paar Minuten muss er nachfragen, auf welches Gepäckteil er jetzt eigentlich welchen Aufkleber draufmachen sollte. Da fragt man sich die ganze Zeit, wie das gutgehen soll. Geht es ja auch nicht. Mit uns vermissen noch ungefähr zehn andere Passagiere ihr Gepäck, als wir in Denpasar ankommen.

Einfach mal Tee trinken
Morgens um kurz nach halb acht sitzen wir verschlafen im Tauchladen und stellen fest, dass noch ein Tauchtourist fehlt. Allerdings wurde ihm gesagt, dass wir uns erst um acht treffen. Der Tauchmaster kommt auf die Idee, dass wir ja alle noch 'nen Tee oder Kaffee trinken könnten, solange wir warten. Wir blättern also alle in irgendwelchen Tauchbüchern und machen uns miteinander bekannt, um uns die Zeit zu vertreiben. Gerade als der fehlende Tourist um Punkt acht auftaucht, kommt das Tauchladenmädchen mit einem Tablett von hinten. Darauf stehen erstens zu wenige und zweitens leere Tassen. Sie setzt gerade an, uns zu fragen was wir trinken möchten, als sie tatsächlich selber merkt, dass wir jetzt los müssen. Wir fragen uns was sie die letzten 20 Minuten gemacht hat.

Einen Flug bestätigen
Wenn man auf die wilde Idee kommt, einen gebuchten Flug ein paar Tage vor dem Abflug noch mal zu bestätigen, bekommt man ganz schnell mal eine andere Abflugzeit untergejubelt. Der Reisebüromitarbeiter nimmt also unseren Buchungszettel, antwortet nicht auf unsere Frage, ob eine Bestätigung überhaupt nötig ist, spricht nur mit seinen Kollegen aber natürlich nicht mit uns während er sich ca. 'ne Viertelstunde mit unserem Zettel beschäftigt. Dabei macht er zwischendurch natürlich auch noch andere Sachen, nimmt Telefongespräche entgegen, verschwindet mit unserem zettel untern dem Tisch und am Ende gibt er uns einfach den Buchungszettel mit der draufgekritzelten neuen Abflugzeit zurück, ohne was zu sagen. Aber bei alldem hatten wir total Glück, bei anderen Reisenden wurde der Flug um zwei Tage verschoben.

Ach übrigens sind die Malaysier manchmal auch nicht besser. Wenn wir die Straßenseite wechseln wollen, nehmen sie uns mit dem Auto erst ganz langsam den Vorrang, um dann genau dort zu parken wo wir auf den Bürgersteig rauf wollen. Man könnte meinen sie machen das mit Absicht, aber wahrscheinlich merken sie es einfach nicht.
diestel - 22. Aug, 16:34

Bürgersteig

is ja an sich schon ma 'n geiles Wort. Aber wenigstens gibt's die hier in Malaysia ab und an tatsächlich.
In Jakarta ist man noch nicht ganz soweit. Die Fußgängerüberwege sind schon mal da, führen nur leider allzuoft ins Nirvana.

Dead end

In diesem Fall kann man sich ja wenigstens auf den Grünstreifen retten oder an den Baum klammern. In Medan gab's auch 'ne Variante mit direktem Zaun auf der anderen Seite. Wenn man vorher nich ordentlich rüberkuckt, ist man dann dem rücksichtslosen Verkehr ausgesetzt.

Arnd (Gast) - 23. Aug, 09:12

Das wird ja immer besser! Danke für diese erhellenden Einblicke in fremde Kulturen - ich fühle mich jetzt viel besser, wenn ich hier in einem Steakhaus mal zwei Minuten känger auf mein Bier warten muss...

brundle (Gast) - 3. Sep, 09:18

Sarrazin hat doch Recht!

Wenn ich das so lese, dann könnte man meinen, dass ihr dem Erlebten ein klein wenig kritisch gegenüber steht? Ich dachte, es wäre der Sinn eurer Tour, dass alles etwas stressfreier zugeht als in D? Also verspannt euch doch nicht so!

Ich weiß nicht, ob ihr es mitbekommen habt. Der Sarrazin hat hier son Buch geschrieben und behauptet, dass manche Völker/Stämme/Kulturen/Rassen etwas weniger fleissig und schlau sind als andere. Und dass diese Eigenschaften genetisch vererbbar sind (so wie ja auch Schlitzaugen bei den Chinesen und die langen Schw**** bei den Negers vererbt werden).

Na jedenfalls schreien die Politiker jetzt, dass das nicht stimmt und alle Menschen gleich schlau und fleissig sind.

Also erzählt mir hier nix von wegen Servicewüste Indonesien. Das war alles reiner Zufall!

IHR SEID RASSISTEN !!!!

bis denne, euer brundle :)

diestel - 16. Sep, 02:15

Sicherlich

Ich betrachte mich allerdings eher als nihilistischen Misanthrop.

Aber mal im ernst. Vererbar is da nix. Das liegt einfach an der vollkommen unterschiedlichen Kultur bzw. dem Umfeld in dem Menschen unterschiedlicher Völker/Stämme aufwachsen.
Zum Beispiel haben wir neulich auf Pulau Derawan 'nen indischen Touristen getroffen. Dieser Fakt alleine hat mich schon mal stutzig gemacht - indische Touristen sind extrem selten. Er hat sich dann auch als Kanadier entpuppt. Seine Eltern sind nach Kanada abgezischt als er noch 'n Säugling war. Mit seinem 1a Schnurrbart sieht er natürlich noch immer wie ein Original-Inder aus.

Jedenfalls ist der auf schnellstem Wege zu seinem Ziel. Ist geflogen soweit es ging, hat sich für teuer Geld privat vom Flughafen abholen und zum Boot bringen lassen. Er hatte sich für die x Tage auf der Insel soundsoviele Tauchgänge vorgenommen. Obwohl unsere beiden gemeinsamen Tauchgänge eher Scheiße waren (extreme Strömung, schlechtes Wetter, nix gesehn) hat er auch die nächsten Tage sein Programm durchgezogen. Weil er es eben nun mal so geplant hatte. Das alles ist typisch westliches Touristenverhalten: in kürzester Zeit das Maximum aus dem Urlaub rausholen und alles von vorne bis hinten durchplanen. Also Extrem-Erholing, sodaß aus Urlaub irgendwie doch wieder Arbeit wird. Von Beruf ist er Diplom-Chemiker oder sowas. Was ich damit sagen will: Der ist genausoviel Inder wie du Kongolese (außer dein langer ****anz natürlich).

Wenn Du also in Indonesien statt in Dt. geboren wärst, würdest Du Dir auch schon zum Frühstück Reis mit Fischköpfen reinpfeifen, ständig auf die Straße rotzen und deinen Plastemüllberg hinter dem Bretterverschlag abfackeln, wenn er zu hoch wird. Einfach weil das die Regel ist - alle Menschen in Deiner Umgebung machen es genauso.
Deswegen ist es in Dt. auch vollkommen ok wenn Du jeden Tag in Deinem Auto !alleine! 50km zur Arbeit und zurück fährst.

In Indonesien hat z.B. "Zeit" keinerlei Wert. Wenn wir den ganzen Tag damit verplempern auf 'nen Chickenbus zu warten, macht das niemanden verrückt. Wenn's endlich losgeht fährt der erstmal tanken oder in 'ne Werkstatt 'n Rad wechseln mit allen Passagieren an Board - ist uns schon mehrfach passiert. Warum machen die das nich vorher? Der Fahrer fährt auch nicht auf direktem Wege zum Ziel. Überall müssen ein paar Pakete oder Säcke eingesammelt oder abgegeben werden. Dann macht er Mittagspäuschen wo und wie lange es ihm beliebt. Unterwegs sind immer wieder Reparaturarbeiten am Wagen fällig. Kein Passagier wird jemals über den Grund der Stops und Umwege informiert. Ständig gibt es neue spontane Unterbrechungen weil er seine Fahrerkollegen trifft, was mit denen bespricht oder bei deren Wagenreparatur hilft. Alle Reisende nehmen das geduldig und ohne zu Murren als selbstverständlich hin. Auch wenn man keinen direkten Termin hat, macht einen das als Europäer RASEND! - aber nicht automatisch zum Rassisten. Wir sind einfach anders geprägt.

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