Von Backpackern im Maßanzug, einem Schlüsselerlebnis und unkontrollierter Aggression

Hoi An ist das Vorzeige-Reisekatalog-Vietnam wie man an diesem Bild unschwer erkennen kann. Doch wir checken den Stand der Dinge, d.h. was hat sich seit 2007 verändert? Dazu mache ich dieses Vergleichsfoto.

Sofort fällt auf: Die Plätze von Zecke und Birne sind besetzt und der Hund ist tot. Ansonsten sieht's noch fast so aus wie damals. Wir haben uns diesmal beim Cafe 96 ins Kondolenzbuch (oder wie das heißt) eingeschrieben. Das kann allerdings auch im Laden nebenan gewesen sein...
Weitere Unterschiede sind in Blickrichtung, auf der anderen Uferseite zu entdecken.
Die ist inzwischen mit neuen Restaurants zugebaut und erstrahlt abends im Schein von noch mehr Lampions. Die gesamte Altstadt wird stetig um weitere Schneidereien, Kunsthandels- und Schuhgeschäfte erweitert. Was sind das nur für Backpacker, die in Südostasien im Schlabberlook rumlaufen und sich dann in Hoi An Maßanzüge für zu Hause schneidern lassen?Der schöne Markt ist jetzt regelmäßig von Rentnerbusreisegruppen frequentiert. Erkennbar an einem Regenschirmhochhalter der vorneweg geht. Ganz früh morgens dominiert aber der rege Handel unter den Einheimischen.
Am Cua Dai Beach haben wir unsere nächste Rangelei. Wenn man von der Hauptstraße her einfährt, wird man von 'nem Typen, der wohl aussehen soll wie ein Polizist, in Richtung Parkplatz reingewunken. Das ignorieren wir und nehmen unsere Räder, wie die Einheimischen auch, mit an den Strand und stellen sie an die Palme, unter der wir's uns bequem machen. Tags zuvor war das auch kein Problem, nur haben wir uns da von Nordwesten genähert. Da hat die Parkmafia offensichtlich noch keine Häscher stehen.

Kurz darauf tauchen zwei Typen auf und meinen wir müßten die Räder vorne parken oder verschwinden. Als ich das ablehne und sie ignoriere, werden sie ungemütlich und werfen unsere Räder um. Wir können also nachgeben oder uns prügeln. Klein beigeben mag ich nach der Aktion aber schon aus Prinzip nicht und wir radeln strandaufwärts auf der Suche nach einem mafiafreien Strandabschnitt.
Nach wenigen hundert Metern merk ich das wir von 'nem Typen auf 'nem Moped verfolgt werden. Wir halten. Er hält. Ich wink ihm zu und sag ihm, daß er enttarnt ist. Er tut so als telefoniert er mit dem Handy.
Unsere Rettung ist das Gelände eines Privathotels. Hier darf unser Verfolger nicht rauf, wir aber unsere Räder abstellen und an den Strand. Ich würd mal sagen 1:0 für uns.

Abends erwacht der Strand erst richtig zum Leben, wenn die Touristen ab- und die Einheimischen anrücken. Von den Palmen bis zum Wasser ist dann der ganze Strand in imaginäre Streifen aufgeteilt. Oben werden mobile Küchen aufgebaut und die Strandstreifenbesitzer versuchen die potentiellen Kunden auf genau ihren Matten zum Sitzen zu bringen, um sie dann zu beköstigen.

Im Bus zurück nach Danang versucht der Schaffner wiedermal ein erhöhtes Entgelt von uns einzufordern. Doch aus seinem Touriaufschlag wird nix, wir kennen den tatsächlichen Preis noch von der Hintour. Auch bei der Weiterfahrt im Bus nach Hue haben wir Glück. Der Preis ist außen groß angeklebt. Doch noch auf dem Busbahnhof in Danang versucht das freundliche Begleitpersonal uns den dreifachen Preis zu entlocken. Ich wackel nur freundlich-verneinend mit dem Kopf und deute durch das offene Fenster auf den Aufkleber direkt unter mir. Bestürzt macht sich einer der Betrüger sofort daran, die Aufkleber vom Bus zu entfernen. Sowas soll nicht nochmal passieren.
Natürlich muß man die Dönger für den ÖPNV immer passend haben. Dem Schaffner Wechselgeld aus dem Kreuz zu leiern stell ich mir schier unmöglich vor. Deshalb horten wir stets Kleingeld.

In Hue schaut Ramona zuerst in dieses mobile Aquarium. Um zur Zitadelle zu kommen greifen wir mal wieder zum Fahrrad. Wir bekommen Schloß und Schlüssel, die ich in den Fahrradkorb vorne am Lenker werfe. Vor Ort angekommen hat sich der Schlüssel verselbständigt und seinen Weg aus dem Schloß und durch eines der zahlreichen Löcher im Korb gefunden. Wir fahren die Strecke nochmal ab auf der Suche nach dem verlorenen Schlüssel.

Keine Chance! Nicht nur daß wir die Räder nicht anschließen können, der Fahrradvermieter wird sich das auch vergolden lassen - Löcher im Korb hin oder her.
Doch Ramona hat am Straßenrand einen mobilen (natürlich) Straßenschlosser aufgetan. Wir müssen ihn zwar aus seiner Mittagssiesta aufwecken, aber er hat sichtlich Freude daran, uns zu beeindrucken. In Windeseile hat er das Billigschloß aufgebohrt, einen von unzähligen Rohlingen aus einer Grabbelkiste gewählt, daraus einen neuen Schlüssel gefeilt und das Schloß wieder versiegelt. Bei uns wär das Ding ersatzlos auf den Müll geflogen, doch der vietnamesische Schlossermeister verschafft uns für wenige tausend Dönger ein echtes Schlüsselerlebnis. So ausgestattet stürzen wir uns wieder in den Berufsverkehr.

Zwischendurch sind wir natürlich auch noch in der Zitadelle. Drinnen macht Ramona auf dieser Bank Rast, um sich etwas von der drückenden Hitze zu erholen. Vor dem Komplex steht ein putziger Bunker mit Fahnenmast.

Ich mach noch meinen obligatorischen Marktbesuch und wir verabschieden uns von Hue und diesen Schulmädchen. Mit dem Nachtzug geht's weiter in den Norden nach Ninh Binh - da wollt ich schon immer mal hin ;)
Der Grund für einen Stop in Ninh Binh ist das in der Nähe liegende Tam Coc. Dort knattern wir mit dem Moped hin. Vor Ort verweigere ich mich den Bezahlparkplätzen und stelle unser Gefährt einfach zu denen der Einheimischen. Ein fataler Fehler.

Als wir von unserem Bootstrip zurückkommen sind beide Helme und ein Spiegel geklaut. Unglaublich in unseren Augen, da der Platz total belebt ist und mindestens ein paar dutzend Leute beobachtet haben müssen, wie sich jemand an dem Moped zu schaffen macht. Die Befragung der Frauen, die ihre Stände direkt daneben haben, bleibt erfolglos. Sie haben nichts gesehen. Es herrscht eine tief verwurzelte Einigkeit darüber, daß es ok ist, Ausländer abzuzocken. Uns fehlt das Verständnis für diese unkontrollierte Aggression.

Mit ordentlich Wut im Bauch, fällt es schwer den restlichen Tag zu geniessen. Später hab ich dann irgendwo gelesen, daß es übliche Praxis ist, Fahrräder oder Mopeds von Touristen mutwillig zu beschädigen, wenn die sich weigern die kostenpflichtigen Parkmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen. Wir kommen noch ziemlich glimpflich aus der Nummer. Wieder in Ninh Binh gehe ich mit unserer Herbergsmutter auf Einkaufstour. Einer der Helme war so ein Pappding und ein Ersatzmodell ist spottbillig. Der andere war ein richtiger Helm und ein neuer ist nicht ganz so günstig. Einen Ersatzspiegel gibt's bei eine Werkstatt an der Straße aus der Grabbelkiste.
Ich habe meine Lektion gelernt. Ein Parkplatz kostet für uns Touris gerne schonmal das zehnfache der sonst üblichen 2000 Dong. Aber nachher für geklaute oder beschädigte Dinge am KFZ aufkommen ist noch ungünstiger. Das Kalkül der Parkmafia geht voll auf. Es steht 1:1.
Noch ein Wort zu den Gondolieri von Tam Coc. Die rudern zwar auch ähnlich wie die Fischer am Inle See mit den Füßen. Doch nur im Sitzen - das kommt an die Grazie der Burmesen nicht heran.
diestel - 31. Jan, 11:04




















