Sonntag, 15. Januar 2012

Grenzgefechte

Im "Planeten" les ich auf den ersten Seiten zu Vietnam irgendwas von "Copy Culture", "Pirating" und anderen Plagiatsvorwürfen. Die Vietnamesen machen angeblich alles nach. Doch gleich das erste Bild das ich schiesse, beweist das Gegenteil.

The south side?

THF NOBTK EACF steht auf dem Rucksack eines Passagiers in unserem Minibus von der kamodschanischen Grenze nach Pleiku. Hab ich noch nie gehört - muß eindeutig 'ne vietnamesische Marke sein. Also alles wieder mal nur Vorurteile.

Doch bevor wir in diesem Minibus sitzen, bekommen wir einen Vorgeschmack auf das was noch kommen soll, denn wir sind in unser erstes kleines Handgemenge verwickelt. Ein Minibus-Fahrer hat uns nämlich schon eingesackt, macht aber keine Anstalten loszufahren. Also checke ich das Gefährt vor uns, welches emsig mit Gütern und Menschen befüllt wird. Wir können für einen vernünftigen Preis mit. Doch der Fahrer vom ersten Minibus sieht seinen Gewinn dahinschwinden und will unser Gepäck nicht wieder freigeben. Also nehme ich es gewaltsam wieder an mich und wir zischen mit dem anderen Minibus ab.

Doch zu früh gefreut. In Pleiku angekommen will der Fahrer von uns einen viel höheren Preis als vereinbart. Hartnäckig versuche ich in Englisch zu erklären, warum wir nicht mehr zahlen als alle anderen. Der Fahrer, sein Gehilfe und einige Einheimische versuchen uns mit Händen und Füßen vom Gegenteil zu überzeugen und es herrscht eine große Aufruhr und ein paar Schaulustige gesellen sich bereits dazu. Auch dieser Fahrer vergreift sich an unserem Gepäck und wir stehen mit unseren Rucksäcken fest an uns verzurrt, den Kleinkram an uns klammernd und diskutieren hitzig weiter. Ich schlage vor die Polizei hinzuzuholen, um die Sache zu klären. Da meint er wir sollen einsteigen, er würde mit uns hinfahren. Aber wir steigen bestimmt nich wieder ein - wer weiß wo der mit uns hin will.
Schließlich drück ich ihm das kleine Geld in die Hand, deren Annahme er die ganze Zeit verweigert hat und wir kehren ihm den Rücken und marschieren zügig ab. Ich rechne noch mit einem Übergriff von hinten, aber sie lassen uns ziehen.
Mit zittrigen Händen löffeln wir am Busbahnhof eine Reisnudelsuppe, bevor uns ein offizieller, "großer" Bus mit Preisaushang weiter nach Kon Tum bringt. Was für ein unangenehmer Einstieg in unser letztes Reiseland.

Zuckerrohr Erfrischung lecker

Kon Tum ist herrlich untouristisch, was nicht nur Vorteile hat. Es gestaltet sich schwierig an ein paar Mietfahrräder zu kommen, um die nähere Umgebung zu erkunden. Dafür schekern wir mit ein paar Thälmann Pionieren, die grad Schulschluß haben und trinken am Straßenrand köstlichen Zuckerrohrsaft mit ihnen.
Unser Hotel hat unheimlich hohen Komfort; dafür kein Flair und die Stadt ist geradzu klinisch sauber - wenn man gerade aus Kambodscha kommt.

Kon Tum Stadtrand

In unmittelbarer Stadtnähe gibt es ein paar idyllische traditionelle Bahnar Siedlungen. Diese haben imposante Gemeinschaftshäuser auf Stelzen mit extrem viel Dach für so wenig Haus.

Gemeinschaftshaus fertig Gemeinschaftshaus unfertig

Davor spielen ein paar Jungs Fußball. Offensichtlich ist es üblich, daß die Verlierer die Gewinner huckepack über die Strasse tragen. So sind die verdammten Regeln.

Penalty walk

Der Gegensatz der Systeme ist hier keiner. Wahlkampfplakate zum nächsten 5-Jahres-Plan koexistieren friedlich mit Werbebannern westlicher Markenprodukte. Anders als in Kuba wo die Coca Cola aus Mexiko importiert wird oder man auf die verblüffend ähnlich aussehende Tu Kola zurückgreift, gibt es hier Coca Cola "exklusiv für den Verkauf im sozialistischen Vietnam". Mit dieser gestärkt geht's weiter über Danang nach Hoi An.

5-Jahresplan vs. Kapitalismus Exclusively for sale in Vietnam

Samstag, 5. November 2011

Wilder Osten

Postsäcke?

Ab die Post - wir legen noch einen eintägigen Zwischenstop in Phnom Penh ein.

Waschtag? kulinarische Köstlichkeiten

Noch schnell einen Blick auf die purpurnen Flüsse und die kulinarischen Köstlichkeiten der Stadt, führt unser Weg nach Norden und wir finden uns in Kratie wieder. Die Irrawaddy Delphine, die hier im Mekong schwimmen, kennen wir von den 4000 Islands aus dem Süden Laos'. Deshalb lassen wir diese hier in Frieden aussterben und erkunden lieber die Flußinsel Koh Trong.

Mekong Wüste mit Karawane

Der Mekong hat hier ein breites wüstenähnliches Ufer. Mit Fahrradreplikaten umradeln wir die Insel und treffen auf ein scheues Mangomädchen, dessen Vater hoch oben in einem riesigen Mangobaum die Früchte erntet. Das Mangomädchen hat die Aufgabe die Stiele abzuknipsen. Außerdem begegnen wir dieser Hirtenfrau, die ihr klappriges Vieh entweder auf die Wüste zum weiden oder durch die Wüste zum Saufen ans Ufer führt.

Mangomädchen Koh Trong Kühe

Am häufigsten trifft man jedoch den typischen Kambodschaner bei seiner Siesta.

pure Cambodia

Die ganze Gegend erinnert sehr stark an die 4000 Islands. Das ist auch nicht verwunderlich, schließlich liegen die nur ca. 200 Kilometer nördlich den Mekong hinauf.
An der Südspitze der Insel ist der Sandstrand deutlich schmaler und es gibt ein schwimmendes Dorf.

floating village

In Kratie machen wir noch unseren üblichen Marktrundgang und tags darauf geht's Richtung Nordosten in die Ratanakiri Provinz nach Ban Lung.

Markttreiben in Kratie altes Mütterchen im Getümmel

Was ist das schönste das einem in Kambodscha widerfahren kann? Wie überall auf der Welt: wenn ein Laster voll Bier seine Ladung verliert. Hier hat der Fahrer in Ban Lung uns Radlern noch begeistert zugewunken, um kurz darauf etwas zu schwungvoll in die Linkskurve zu gehen. Ein wunderschöner Anblick wenn einige hundert Dosen "Anchor" ihren Inhalt wie Minispringbrunnen auf die Straße versprühen.

Alkoholmißbrauch

In der Nähe des Ortes gibt es einen alten Kratersee, in dem man prima baden kann; der aber ansonsten überbewertet ist und eher einem mecklenburgischem Binnengewässer ähnelt. Die umliegenden Wasserfälle werden ebenfalls sowohl von den einheimischen Kindern als auch von uns bebadet.

Badejunge begehbarer Chaa Ong Wasserfall

In Ban Lung haben wir eine herrliche Unterkunft, wo wir Nina aus Australien wiedertreffen, die wir zuvor in Kratie kennengelernt haben. Mit ihr erkunden wir einige der Wasserfälle per Rad bevor wir uns mit einem großen Eis vom Eisauto belohnen.

sieht nich so aus - is aber anstrengend ein halbes Stangeneis bitte

Einem britischen Pärchen in den Flitterwochen überlassen wir unseren Dreiecksverband. Sie hatten einen Unfall mit dem Moped, wobei er sich das Schlüsselbein gebrochen hat. Das erkennt man auch als medizinischer Laie, denn der Knochen steht seltsam unter der Haut hervor. Keiner weiß, wie man das Dreieckstuch ordentlich anlegt, sodaß wir alle gebannt auf ein YouTube-Video schauen, welches es demonstriert.
Mit 'nem iPhone schießen wir ein Bild von der Röntgenaufnahme und schicken es seinem Arztfreund in England. Wo wären wir nur ohne Internet und Gadgets?

Von allen Ländern Südostasiens erscheint uns Kambodscha immer noch als das ärmste. Nirgendwo sonst haben wir solche dreckigen und stinkenden Märkte besucht.

Rückseite vom Markt in Ban Lung

Den Kindern ist die Armut oft anzusehen, wie hier bei einem Tagesausflug mit dem Moped ins Umland.

in the middle of nowhere

Doch als nächstes erwartet uns das saubere sozialistische Vietnam und wir machen uns auf den kurzen Weg nach Osten zum Grenzübergang O Yadaw, der von Backpackern aus mir unbekannten Gründen praktisch nicht genutzt wird. Wir sind jedenfalls die einzigen Weißen an der Baustelle.

Montag, 3. Oktober 2011

Das Kampot-Kep-Krebs-Komplott

Am 17.04.2011 dokumentiert unser Tagebuch diese typischen Backpackerleiden, die ich mir zeitgleich zugelegt hab: Durchfall, Erkältung mit Husten und Schnupfen, juckende Sandflybisse, Auspuffverbrennungen an der Wade vom Mototransport, Schnittverletzungen an der Fußsohle von einer Muschel in die ich getreten bin, eine leichte Quallenverbrennung vom Schwimmen und etliche Mückenstiche.

So gebeutelt landen wir in Kampot. Das ist nicht etwa ein Nachtisch sondern ein beschaulicher Ort an der Südküste Kambodschas. Es gibt hier nichts wirklich Aufregendes und deshalb ist es auch nicht schlimm, daß ich einige Tage etwas kränkel.

Hüttengecko in Kampot

Dieser farbenfrohe Gecko hier sitzt jeden Abend an der Außenwand unserer Hütte in Kampot und tut sich an den Insekten gütlich, die sich -ganz öko- vom Energiesparlampenlicht haben anlocken lassen.

Natürlich kann man auch was unternehmen. Also z.B. auf solchen Straßen zu solchen Orten fahren.

Salzfelder? Seegrenze südlich von Kampot

Du denkst das ist langweilig? Dann warst Du noch nicht an unserem nächsten Stop in Kep. Die Hauptattraktion hier ist kulinarischer Art in Form von Krebsen, die mit einer tatsächlich extrem leckeren Soße zubereitet zum Verzehr angeboten werden. Aus mir unbekannten Gründen haben die Biester blaue Zwicker. Sie werden in diesen Körben wenige Meter vor der Seeterasse des jeweiligen Restaurants gehalten und bei Bedarf an Land gezerrt.

Blaukrebse Überfahrt nach Koh Tonsay

Einen Tag setzen wir auf die nah gelegene Insel Koh Tonsay über. Angeblich kann man hier Schnorcheln. Kann man auch - wir habens ausprobiert! Zu sehen gibt's allerdings nix. Auf der Insel kann man aber bestimmt gut bleiben, um sich hier dem Dasein hinzugeben und 'ne Weile stilvoll abzuhängen.
Gleich gegenüber auf vietnamesischer Seite liegt allerdings Phu Quoc. Das hab ich deutlich idyllischer in Erinnerung. Vielleicht ist meine Wahrnehmung aber auch noch von den Kombinationen meiner abklingenden Backpackerleiden getrübt. Aber nein, Phu Quoc liegt viel weiter draußen im Meer und solche Strände gibt's auf Koh Tonsay nicht.

Montag, 5. September 2011

Korruptes Kambodscha

Von unserer zweiten Heimat in Bangkok organisieren wir unseren letzten großen Loop durch Indochina. Wir wollen über Land durch Kambodscha und weiter nach Vietnam. Da wir beide Länder schon früher besucht haben, wollen wir jetzt in die Ecken, die wir noch nicht kennen. Wir schiessen also bei AirAsia einen günstigen Rückflug von Hanoi nach Bangkok, sodaß wir mit ein paar Tagen Puffer unseren Heimflug erwischen sollten. Für die Tour bis nach Hanoi bleiben uns noch ca. 2 Monate.

Eigentlich soll es zuerst in die Preah Vihear Province im Norden Kambodschas gehen - am liebsten mit 'nem Motorrad. Doch es gibt wieder einmal Streitigkeiten mit Thailand um die Tempelanlage im Grenzgebiet und ein paar Tage zuvor sind dort Soldaten erschossen worden. Also peilen wir stattdessen Battambang im Süden an.

Der Grenzübergang Aranya Prathet-Poipet ist berüchtigt für seine zahlreichen Scams. Meist geht's darum, die Touristen in einen überteuerten Bus nach Siem Reap zu setzen. Gatt sei Dank kennen wir den Grenzübergang und die üblichen Spielchen schon. Aber hier ein paar Klugscheißer-Tips die helfen können, nicht in die Falle zu tappen:
  • Noch auf thailändischer Seite wird einem Hilfe für das Visum angeboten. Wie diese Hilfe aussehen soll, weiß ich nicht. Mit Sicherheit erleichtert sie einem aber das Budget. Entweder man hat sich das Visum schon in Bangkok besorgt oder man holt es sich so wie wir direkt am Grenzschalter.
  • Im Grenzbereich wird man von offiziell aussehenden Uniformträgern auf den kostenlosen Shuttlebus hingewiesen. Der is aber nur bis zum Terminal kostenlos. Danach wirds teuer und es ist schwer von da wieder wegzukommen.
  • Die kambodschanischen Grenzbeamten haben den vollkommen berechtigten Ruf korrupt zu sein. Wenn man seinen Pass noch nicht zurück hat, siehts schlecht aus und man ist gezwungen ein kleines Schmiergeld zu zahlen. Der offizielle Preis fürs Visum (ich glaub USD20) steht groß dran. Unser Grenzer hat mir die Pässe aber schon zurückgegeben, als er zu mir meint: "Hey, give me 50 Baht." Darauf gibt es von mir die einzig richtige Antwort: "No".
  • Wenn Du an 'nem Busterminal landest, von dem offensichtlich nur Westler losfahren und Du 'nen bunten Aufkleberpunkt aufs T-Shirt gedrückt bekommst (Touri-Tagging), kannst Du sicher sein, daß Du gerade abgezockt wurdest.
Boxenstop kurz hinter Poipet

Der Versuch sich die Touts vom Leib zu halten, endet bei mir leider meist darin, daß ich einfach jeden möglichst abweisend und unfreundlich behandle, der uns irgendwelche Hilfe anbietet, um die ich nicht gebeten hab. Statt uns von Fremden anquatschen zu lassen, gehe ich also lieber selbst auf Einheimische zu, die offensichtlich grad im Aufbruch nach irgendwo sind. Wir finden nach kurzer Zeit einen Pickup, der nach Battambang fährt und nach nicht ganz so kurzer Feilsche-Zeit, uns für einen fairen Preis mitnimmt - 150 Baht, wenn ich mich recht erinnere.

Bananen-Brücken-Begegnung bei Battambang

Wie fast überall in Kambodscha, gibt es auch hier Tempel zu erkunden. Wir machen das an mehreren Tagen per Moped oder Fahrrad. Dabei treffen wir auf freundliche Verkaufe-Frauen und neugierige Mönche.

Mini Mönch verfolgt Ramona Abstieg vom Wat Banan

Kambodscha ist meist flach wie ein Eierkuchen, was man hier im Hintergrund vom Phnom Sampeau ganz gut sieht. Auf der Rückfahrt überholen wir diesen typischen Federvieh-Transport.

Blick von Phnom Sampeau Entenexpress

Unsere Unterkunft im Ort hat erstaunlich hohen Komfort und "free WiFi". Da wir als nächstes nach Phnom Penh wollen, belese ich mich beiläufig auf WikiTravel und erfahre dort von den gefürchteten Brick-Attacks. Dabei wird angeblich aus fahrenden Autos mit 'nem Ziegelstein vorzugsweise auf weiße Westler geworfen, um sie dann auszurauben. Der Eintrag hörte sich ursprünglich aber viel drastischer an und war viel detaillierter beschrieben. Hab ihn mal in der History aufgestöbert:

According to The Phnom Penh Post there has been a string of unprovoked brick attacks on foreigners along Riverside in 2010. The brick is generally aimed at the head, and is thrown from a moving SUV. The Post reports eight injuries to date, though the toll may be higher. Police have denied that these attacks are occurring. As of Oct/Nov 2010 these have stopped. Rumors and denials have lead to no charges, but most people can take a guess at the type of person to through a brick at a foreigner from a $50,000 Lexus SUV.

In Phnom Penh angekommen deprimiert uns erstmal viel mehr unsere Unterkunft am Stadtsee Boeng Kak. Dieser See wird nämlich gerade von 'ner koreanischen Firma trockengelegt, um darauf Eigentumswohnungen oder sowas zu bauen. Das ist nicht nur total bescheuert sondern auch ein trauriger Anblick, denn die Guesthouses am See werden nach und nach auch geplättet.
Hinzu kommt, daß die Sehenswürdigkeiten Phnom Penhs ebenfalls meist trauriger Natur sind. Wenn man tagsüber die Killing Fields oder das Tuol Sleng Museum besucht hat, schaut man abends nicht gerne auf einen sterbenden See und halb abgerissene Gebäudefronten. Nach 2 Nächten wechseln wir in eine freundlichere Umgebung in der City.

Mit Vorliebe lassen wir uns von älteren Moto-Männchen durch die Stadt kutschieren. Die nehmen uns beide auf einem Mopped mit und begnügen sich mit 3000 Riel pro Fahrt.
Den angeblich chaotischen Verkehr in der Hauptstadt kann ich zunächst nicht nachvollziehen, das liegt evtl. aber auch daran, daß gerade 'Khmer New Year' ist und die meisten Leute aufs Land zu ihren Familien sind. Um das zu überprüfen, folgen wir ihnen an die Küste nach Sihanoukville.

Neujahrs-Anbaden

Und tatsächlich, hier sind alle versammelt, um das neue Jahr zu begüßen und zu begießen. Wie so oft in Asien baden die Einheimischen vollständig bekleidet, also z.B. in langen Jeans und Hemd. Gesoffen wird aus meiner Sicht genauso stark wie in europäischen Kulturkreisen.

bekleidetes Baden Strandtreiben

Um die Gegend um Sihanoukville zu erkunden, leihen wir mal wieder ein Moped. Wir bekommen noch den Hinweis, unbedingt diese abenteuerlichen Papphelme aufzusetzen, die weder auf einen europäischen Kopf passen noch irgendeinen Schutz bieten. Aber die Polizei lauert nur darauf, einen Westler ohne Helm zu erwischen.

Prompt werden wir von 'nem Polizeitrupp rausgewunken - wir tragen beide vorschriftsmäßige unsere Pisspötte aufm Kopp. Der eine Verkehrshüter will meinen Führerschein sehen und sagt ich wär in eine Einbahnstraße gefahren. Da hat er zwar recht, nur trifft das auf alle anderen die grad hinter uns langfahren genauso zu. Außerdem müßte ich auch tagsüber mit Licht fahren. Ich soll USD5 Strafe zahlen! Zähneknirschend handel ich ihn auf einen Dollar runter und bekomme meinen Führerschein zurück.

Doch damit nicht genug. Zehn Minuten später werden wir an einer anderen Kreuzung von einem anderen Polizisten rausgewunken. Er will meinen Führerschein. Da auch ich dazulerne, lasse ich ihn diesen von beiden Seiten anschauen, ohne ihn aus der Hand zu geben. Auch wenn er immer wieder danach grabscht. Er sagt, daß ich tagsüber nicht mit Licht fahren dürfe und deshalb eine Strafe zu zahlen hätte!! Da ticke ich fast aus und erkläre ihm aufgebracht, daß mir seine Kollegen 1 km weiter vorne gerade das Gegenteil erzählt haben. Ich glaub, ich reg mich so auf, daß er ein bißchen Angst kriegt. Auf jeden Fall lasse ich ihn ungeschmiert dastehen und wir zischen ab.
Am nächsten Tag versucht !derselbe! Bulle uns nochmal rauszuwinken. Ich halte erst gar nicht, sondern drohe ihm wütend mit der Faust und schlängele mich waghalsig an ihm vorbei. Ein bißchen Schiß hab ich dann doch, daß nun gleich eine wilde Verfolgungsjagd beginnt. Aber nix passiert.

Später in Phnom Penh erleben wir noch abenteuerlichere Fahrerfluchten. Komischerweie haben die Unbestechlichen es da auf Einheimische abgesehen und versuchen sie während der Fahrt vom Moped zu zerren. Doch die befreien sich mühelos von den Plagegeistern und setzen ohne Hast ihre Fahrt fort. Für Verfolgungsaktionen fehlt den Beamten offensichtlich der Sprit. Fahrerflucht in Kambodscha ist also absolut gängig und kann von mir nur wärmstens empfohlen werden.

Freitag, 29. Juli 2011

Warum uns Südostasien so fasziniert

Über ein Jahr sind wir durch fast alle Länder gereist, die unser "Southeastasia on a shoestring" hergibt. Natürlich kann man die Länder nicht alle über einen Kamm scheren, schon wegen der verschiedenen Religionen, Sprachen und Stämme. Gerade in Indonesien oder auch auf den Philippinen ist jede Insel eine eigene Welt. Ich versuche trotzdem mal zu erklären, was uns an Südostasien eigentlich so fasziniert.

Kurz geradelt und schon mittendrin

Egal wohin wir kommen, sind wir sofort mittendrin im Leben, weil es ganz einfach auf der Straße stattfindet. Überall werden wir von neugierigen, lachenden oder kichernden Menschen begrüßt. Von irgendwo kommt immer ein "Hello" oder gleich das obligatorische Frageset "What's your name?", "Where you from?" und "Where you go?". Dabei ist es egal, ob wir überhaupt antworten oder sagen wir wären aus Island. Die Antwort zählt nicht, Hauptsache sie konnten uns irgendwie ansprechen oder vielleicht sogar anfassen. So ungefähr müssen sich wohl Rockstars fühlen.

Vietnamesische Obstverkäuferinnen

Auf den Straßen herrscht immer Trubel. Alles was man trinken, essen oder gebrauchen kann, wird von fliegenden Händlern verkauft und die sind wahre Meister ihres Fachs. Egal ob Handwagen, Dreirad oder Moped, aus allem kann man einen mobilen Laden machen. Es sitzt jeder Handgriff und für jedes Messer oder Tütchen gibt es einen ganz bestimmten Platz. Kaufen können wir dann mundfertig geschnittenes Obst, Fleischspieße mit Klebreis, Eierkuchen oder Nudelsuppe. Die etwas aufwendigere Form der fliegenden Händler sind dann die mobilen Straßenrestaurants. Eine ganze Suppenküche mitsamt Töpfen, Geschirr, Plastetischen und -stühlen passt nämlich lockerleicht auf einen Handwagen.

Straßenküche in Phnom Penh

Erkennen kann man alle Verkäufer an ihrer allgemeinen Vermummung. Um sich gegen die Sonne zu schützen, haben sie nicht nur Hüte auf, sondern ziehen sich Handschuhe und Socken an. Vermummte Verkäuferin in Kambodscha Gegen die schlechte Luft noch einen Mundschutz und fertig ist die Verkleidung. Ach und die Socken haben extra eine Aussparung für den Flip-Flop-Steg, denn andere Schuhe gibt es kaum.

Zu den unzähligen Gerüchen kommt dann der Lärm des Verkehrs. Jedes Transportmittel wird heillos überladen - mit Menschen und Gütern - und gefahren bis es auseinander fällt. Die Verkehrsregel lautet "Der Größte hat Vorrang" ansonsten fährt jeder wie es für ihn am günstigsten ist. Das hört sich aber schlimmer an als es ist, denn alle fahren extrem langsam und niedertourig. So kann immer noch ein weiterer Passagier aufspringen oder man kann sich ganz einfach mit den Leuten auf dem Nachbarmoped unterhalten. Die minimale Beladung für Mopeds sind drei Personen, vierköpfige Familien der Durchschnitt. Auch ein Fahrrad wird niemals allein gefahren. Viele haben schon extra einen gepolsterten Gepäckträger für den Beifahrer.

Straßenszene in Phnom Penh

Auch wenn wir ab und an mal drei Stunden warten müssen bis der Bus voll ist und losfahren kann, beschweren sich die Einheimischen nie. Geduldige Reisende Sie warten geduldig und gut gelaunt, Zeit hat offensichtlich keinen Wert. Auch die Kinder ertragen es genauso, früher oder später schlafen sie alle auf den Schößen ihrer Mütter. Diese Genügsamkeit bedeutet allerdings auch, dass alles was sie tun oder bauen selten fertig oder heil ist. Alles ist irgendwie zusammengeflickt oder sieht oft nur von außen gut aus.

Natürlich fahren wir auch wegen der Landschaft nach Südostasien. Die wunderschönen grünen Reisfelder, die noch von Ochs und Mensch bestellt werden, die paradiesischen Strände, die unzähligen goldenen Tempel, die restlichen Urwälder und Korallenriffe begeistern uns einfach. Reisfeld mit Ochs und Mensch Meistens haben wir unsere Visa komplett ausgereizt, verlängert oder sind ein weiteres mal eingereist. So erhält man einen tiefen Eindruck abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Unsere Reisepässe sind bis auf wenige Seiten vollgeklebt und zugestempelt. Die Grenzbeamten gehen nicht besonders sparsam mit dem verfügbaren Platz um. Die Ein- bzw. Ausreisestempel landen dann auf zufällig aufgeschlagenen Seiten. Auf den Philippinen haben unsere Pässe wegen der anhaltenden Feuchtigkeit sogar zu schimmeln begonnen.

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