Indonesien

Samstag, 13. November 2010

Ya Sudahlah

ist Bahasa und heißt glaub ich soviel wie "na egal". Falls ihr zu Hause keinen Sommerhit hattet, hört euch diesen hier drei mal an - schon sitzt der Ohrwurm.



Der Song ist für mich zu einem Synonym für Indonesien geworden, da er tagein tagaus hoch und runter gespielt wird und jeder ihn mitsingt. Früher oder später auch ich... .. und jetzt ihr!

Freitag, 5. November 2010

Die wunderbare Welt von Java

In unseren letzten beiden Wochen in Indonesien haben wir uns auf Javas Touristenpfad begeben. Um einen besonders schönen Blick auf den Vulkan Gunung Bromo bei Sonnenaufgang zu bekommen, machen wir uns um drei Uhr morgens auf den Weg zum Aussichtspunkt Gunung Penanjakan. Mit uns wandern Rebecca und Nicholas durch die kalte Dunkelheit. Alle anderen Touristen schlafen lieber 'ne Stunde länger und lassen sich dann hochfahren. Ich freue mich schon auf das wunderbar erhabene Gipfelgefühl, allerdings wird die Straße nach einer halben Stunde langsam immer schmaler und sieht irgendwie recht unbenutzt aus. Das beunruhigt uns, denn eigentlich sollte das ja die Straße zum Aussichtspunkt sein, auf der jeden Morgen abermillionen Jeeps hochkurven. Als die Straße plötzlich in irgendwelchen Büschen endet, müssen wir einsehen, dass wir auf dem falschen Weg sind. Wir drehen um und schaffen es dafür gerade rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf den Bromo selbst.

Ersatzaussicht auf Gunung Bromo

Rebecca und Nicholas laufen weiter, treffen auf einen betrunkenen Einsiedler am Lagerfeuer und drehen dann auch um. Als wir uns Stunden später beim Frühstück wiedertreffen, beschließen wir am nächsten Morgen auch 'nen Jeep zu buchen. So wie es eben in der Touristenfibel steht.

In eben dieser Fibel steht auch, dass man sich den Kratersee Kawah Ijen zum Sonnenaufgang ansehen soll. Wir rebellieren ein bisschen und fahren erst bei Sonnenaufgang in Sempol los. Als wir nach 1,5 Stunden Wanderung den Kraterrand erreichen, verhindert eine unangenehme Mischung aus Schwefelwolke und Wind lange Zeit die Sicht und den Spaß. Welch Glück, dass wir später los sind.

Schwefelmasken am Kawah Ijen

Die Arbeiter, die den Schwefel aus dem Krater abtragen, scheinen allerdings schon ewig unterwegs zu sein. Sie tragen übrigens bei jedem Gang runter ins Tal ca. 80 bis 90 kg Schwefel und das machen sie bis zu dreimal pro Tag. Starke Jungs.

Den nächsten Sonnenaufgang sollten wir uns bei Borobudur ansehen, einem sehr alten buddhistischen Tempel. Wir schlafen lieber ein bisschen aus und treffen dann unsere Zimmernachbarn beim Frühstück, die schon beim Tempel waren. Wir kommen auf die Idee, deren Eintrittskarten auszuprobieren und das klappt sogar. Es ist trotzdem viel los und wir werden von den schulkindern und Lehrern ungefähr tausendmal nach einem Foto gefragt.

Auf Borobudur

Dienstag, 2. November 2010

Ich ess Blumen

Wir ihr vielleicht bemerkt habt, sind wir inzwischen im kühlen Norden Thailands. Und bevor meine Indonesien-Erinnerung vollends verblaßt, will ich berichten, daß es außer dem ganzen Tomohon-Gemetzel auch noch lebendige Fauna zu bewundern gab. Denn Tiere machen doch immer den entscheidenden Unterschied.

Finde den ... ... Unterschied

Das is kein Schummel. Nachdem ich auf den Auslöser drücke, sehe ich aus dem Augenwinkel den "Unterschied" von links ins Bild laufen und drücke einfach nochmal ab.
Das is gleich hinterm Strand von Batuputih. Und weil man sich immer der ganzen Unterstellungen erwehren muß "ja die liegen den ganzen Tag am weißen Strand" - nix da weißer Strand. Der ist schwarz wie die Nacht und wir haben Glück, daß es ein trüber Tag ist. Ansonsten brennen einem nämlich die Fußsohlen ab.

ein Glück - Scheiße Wetter

Eigentlich sollten hier jetzt auch die Black Macaques (Schopfaffen) rumspringen und uns Touristen belustigen. Von allen Viechern die hier so rumkrebsen sieht man diese mit der höchsten Wahrscheinlichkeit. - Bei uns läßt sich keiner blicken.
Dafür waren wir abends zuvor erfolgreich beim Aufspüren von Beuteltier, Hornbill und Koboldmaki. Ein herrlicher Name - im englischen heißt der einfach nur Tarsier.

1. - Ich bin mit meinem Freund hier

2. - Er ist ein Mega-Fan von Dir 3. - Ich werd ihn mal rüberwinken

Damit nicht genug, gibt es in der Nähe eine Würgefeige, die ihren Wirt, nun ja, eben wahrscheinlich erwürgt hat. Jedenfalls steht nur noch die Feige selbst und gibt ein prima Klettergerüst ab. Gerade als ich loslegen will den Wipfel zu erklimmen, merke ich, daß das Klettergerüst schon besetzt ist. Ein Klettergerüstmaki starrt mich an und hat mir schon fast alles weggeklettert!

innen mit kleinstem Affen der Welt außen mit Winkelement innen mit größtem Affen der Welt

Koboldmakis sind gute Tiere, weil sie einen lustigen Namen abbekommen haben und so schön hilfsbedürftig aus der Wäsche kucken. Angeblich hat er auch für diesen Yoda-Jedi aus Startrek Vorbild gestanden. Daß er keinerlei Grünzeuch frißt, gibt den Wissenschaftlern bisher noch Rätsel auf. So berichtet uns zumindest unser Guide, daß er demnächst einem "amerikanischen Wissenschaftler" helfen wird, herauszubekommen wie das gutgehen kann. Hoffentlich sperrt der ihn dafür nicht in einen Käfig, dann könnte der Koboldmaki sich nämlich den Kopf am Gitter aufstoßen wie einer dieser Guantanamo-Häftlinge.

Aber vor den ganzen Makis und Macaquen haben wir ja noch auf Bunaken den Kopf unter Wasser gehalten. Da war ganz schön was los. Ich bin ja eingefleischter Drückerfisch-Fan. Je bunter desto besser.

Triggerfish noch einer

Selbstverständlich wurde aber auch auf Bunaken gemordet, um der ganzheitlichen Völlerei zu frönen.

Marlin Dieser kapitale Marlin ist fast genauso groß wie das Fischerboot von dem aus er zur Strecke gebracht wurde. Abends gabs glaub ich Teile davon zu essen.
Immer wieder hat sich mal ein Eagle Ray blicken lassen - allerdings immer schön tief, um sich der Kamera zu entziehen. Auf den Togeans hat man die öfter mal auch im flachen Wasser gesehen. Beim Ausflug mit Thomas und Uli im Einbaum ist uns fast einer ins Boot gesprungen.
Zu den selteneren Sichtungen gehörte 'ne Seeschlange, die zwar hoch giftig aber trotzdem nicht gefährlich ist, da es keinen verdammten Grund gibt 'nen harmlosen Schnorchler zu beißen. Daneben gabs das übliche Gefische wie z.B. Muräne und Kofferfisch.

komischer Kofferfish mit Flutefish im Hintergrund Muräne und andere Kofferfisch unterwegs

Das alles in konzentrierter Form denn das Riff zieht sich offensichtlich um die gesamte Insel und man kann sich schön mit der Strömung entlang des 'drop offs' treiben lassen.

Hab ich tiertechnisch noch was vergessen? Natürlich kann man überall die Metamorphose von Raupe zu Schmetterling und weiter zur Ziege beobachten.

Tausendfüßlerraupe Letterschming Zieh Geh

Genauso wie den Übergang von Sonnenanbeterin zu Buntspecht und weiter zum Auerochsen.

Sonnenanbeterin Buntspecht Auerochse

So jetzt wißt ihr Bescheid und damit sag ich mal schön Tschüß zu Indonesien!

Tschüß Indonesien

Montag, 25. Oktober 2010

Es gibt Reis, Baby

Essen (Makanan) soll man bekanntlich was auf den Tisch kommt. Das hab ich auch 'ne Weile versucht. Doch irgendwann wurde mir klar, daß das immer Reis sein wird, wenn man nicht gegensteuert. Der wird oft und gern mit Sambal dargerreicht. Das Zeug besteht hauptsächlich aus den hier gezeigten Zutaten und kratzt einigen Menschen manchmal etwas im Hals.

Mahlzeit

Gegen die Schärfe hab ich nix. Aber Indonesier essen einfach immer Reis - morgens mittags abends - Reis Reis Reis - Nasi Nasi Nasi. Es macht mich kaputt. Nasi Putih, Nasi Goreng, Nasi Campur evtl. noch mal ein Mie Goreng (fettige Nudeln). Das häufigste Gericht ist Reis mit Chicken - Nasi Ayam. Dieser Kombination kann man nicht entkommen. Das Zeug ist allgegenwärtig. Jedes Warung und jeder fliegende Händler im Bus bietet es an und es ist oft die einzige Option an Kalorien zu kommen. Wir haben bestimmt ganze Hühnerpopulationen verschlungen. Oft hab ich mir auch mit 'ner Bakso-Suppe beholfen. Die "Fleischbällchen" darin können echt eklig sein. Aber wenigstens ist kein Reis dran.

Zur Zeit des Ramadan kommt erschwerend hinzu, daß die Reismahlzeiten nur bei nicht vorhandener Sonne einzunehmen sind. Da waren wir gerade auf Borneo. Morgens halb 9 im Hotel frag ich nach Frühstück und der
Hotelmann so: Ramadan
ich: Ding Dong
Hotelmann: Ramadan
ich: Dingding Dong

Satt sind wir von dem Spielchen aber auch nich geworden. Tagsüber ißt einfach keiner. Wenigstens hat niemand daran Anstoß genommen, daß wir dann mit irgendwelchen süßen Teilchen aus 'nem Kiosk unseren Hunger gestillt haben. Dabei hatten wir noch Glück. Andere Reisende haben uns Geschichten erzählt, daß ihnen irgendwo auf Sumatra verboten wurde zu essen. Nicht gerade das was man unter Religionsfreiheit versteht.

Starlucks in Palu

Diese Etablissement läßt auf nachgemachten Kaffee und lecker süße Teilchen schließen. Ramona begutachtet resigniert die Karte: Nasi Goreng, Nasi Dings, Nasi Bums - alles Reis mit Scheiß.

Richtig schlimm ist es aber eigentlich nur wenn man nicht selbst bestimmen kann, was man ißt. Am ersten Morgen in Gimpu bei Asers Familie war es noch ok. Da gabs so süßliche Reisrollen in Bananenblättern - nur für uns - danach dann aber gleich das 'richtige' herzhaft-scharfe Reisfrühstück. Aser hat uns mal erklärt, daß nur Reis richtig satt machen würde. Ich behaupte ja, daß man von Styropor genauso satt wird, nur hat das mehr Geschmack und 'nen höheren Nährwert.
Schön war's auch auf dem Pelni-Schiff bei der Überfahrt von Borneo nach Sulawesi (ca. 24h). Da gab's natürlich 3x täglich Reis. Mittags Reis mit Fischköpfen - das haben selbst die Indonesier nicht angerührt.

Auf den Togeans gabs nur mittags und abends Reis. Dort dann meist mit gegrilltem Fisch (Ikan Bakar). Besonders angepaßte Backpacker haben sich's aber auch dort nicht nehmen lassen, riesige Portionen Reis statt süßer Frühstücksteilchen zu bestellen.
Im Kawah Ijen Gebiet haben wir gelernt, daß die Sulphur-Träger bei einer Mahlzeit bis zu 1kg Reis verschlingen können. Und die 21jährige Bedienung im Bedhot-Cafe in Yogya hat uns erklärt, Indonesier würden so klein bleiben, weil sie immer nur Reis essen. - Das glaub ich sofort.
Irgendwann hab ich einfach JEDE Gelegenheit genutzt was anderes als Reis zu essen. Ich hab nix gegen Reis an sich. Ist sehr fotogen dieses Knallgrün auf den Feldern...
Damit hätte ich das Thema indonesisches Essen schon fast ausreichend behandelt. Fazit: Vielfalt unbekannt.

Bintang Büchsen Bleibt das Trinken (Minuman). Das besteht meist aus Zucker in die winzige Mengen Tee oder Kaffee gemischt werden. Als Ausländer gewöhnt man sich ganz schnell an, Getränke immer ohne Zucker zu ordern, was nicht zwangsläufig bedeutet, daß diese dann auch tatsächlich ungesüßt kommen. Alkohol gibts in Form von Bintang, was ganz passabel schmeckt. Hier hatten wir ein paar Togean-Abschieds-Bintänger auf der Fähre von Wakai nach Gorontalo. Palmwein Pause Mit Aser waren wir in so'nem Bergdörfchen mal frischen warmen Palmwein probieren. Der Reisschnaps Arak is angeblich voll gefährlich. Ein Glück, daß ich das erst nach dem Verzehr erfahren hab. Krumme Füße hatt ich eh schon und mit der Sehkraft ist es ja auch nicht mehr so doll.

Ein einzigartiges Phänomen in Indonesien sind die Serviettenhalbierungen, welche vermutlich einen Hauptindustriezweig des Landes darstellen. Um einfach "mehr" aus einer Packung Servietten herauszuholen sind ganze Belegschaften damit beschäftigt, Servietten zu halbieren. Der Gewinn muß enorm sein. Ich vermute, wer den Beruf des Serviettenhalbierers ergreift, kann ganze Familien damit ernähren. Anders kann ich mir nicht erklären, daß man niemals ganze Servietten vorfindet. Mehr als einmal sind uns sogar geviertelte Servietten untergekommen. Hier versuchen besonders gierige Geschäftsmänner ihren Gewinn gleich zu vervierfachen. Das ganze ist besonders bemerkenswert in einem Land wo Messer nahezu unbekannt sind, was mich direkt zum nächsten Thema bringt: Besteck.
Viele Einheimischen essen oft traditionell mit der Hand. Wenn in Indonesien Besteck im Spiel ist, dann handelt es sich gewöhnlich um eine Gabel und einen Löffel. Zuerst ist das manchmal lästig aber mit der Zeit ist man erstaunt was sich alles mit einem Löffel schneiden läßt.

Eine witzig-peinliche Geschichte mußten wir mal auf Lombock miterleben. Ein Gast hat dort Chopsticks (Stäbchen) zum Essen gefordert. Wir konnten schon sehen, daß die Bedienung offensichtlich nicht ganz genau versteht aber höflich losgeht und mit 'nem Packen halbierter Servietten wiederkommt. Der europäische Gast besteht aber weiterhin vehement auf Chopsticks und gibt nur sehr widerstrebend nach und verunsichert die Bedienung vollends.
Der hat halt im Fernsehn gesehn, daß man in Asien mit Stäbchen ißt und jetz ist er ja in Asien und da möchte er bitteschön auch keine touristische Sonderbehandlung. Wir waren kurz davor ihn aufzuklären, haben es uns dann aber verkniffen. Mit Stäbchen Essen kann man durchaus in Indonesien - z.B. beim Chinesen, genau wie bei uns zu Hause.

Apropos Chinesen. Die essen ja bekanntlich alles. In Nordsulawesi sind die Leute aber auch keine Kostverächter. Neben all den anderen Tieren auch Katze, Hund, Waldratte, Fledermaus, Frosch und Schlange zu braten find ich eigentlich nur konsequent. Für uns Kühlabteilungseinkäufer ungewohnt ist allerdings, daß die Tiere dort zunächst lebend vorrätig sind. Alles wird nach der Hinrichtung schwarz flambiert, fachmännisch zerlegt und bei Kauf in Plastetüten verbracht.

Hier die Galerie des Grauens - natürlich nur für Vegetarier! Alle anderen zetern bitte nich sondern gehn jetz in die Kantine 'n Schnitzel essen, is nämlich gleich Mittach.

Hundezwinger Schwein gehabt Miau au au Hot Dogs weniger Schwein Ratte und Kröte Leftovers Sch'lange hier? How to prepare a bat

Der entscheidende Unterschied bei den domestizierten Tieren ist wahrscheinlich deren IQ. Die Hunde in ihren Käfigen wissen glaub ich ganz genau was ihnen blüht. Besonders da Schlinge und Knüppel meist zusammen mit den bereits flambierten Exemplaren obendrauf platziert werden.
Ramona hat ja schon mal berichtet, wie man fachmännisch Fledermäuse fängt. Im Lehrvideo (rechts unten in der Galerie des Grauens) seht ihr nun wie der Flattermax küchenfertig filettiert wird. In einem der kommenden Beiträge gibts dann ein leckeres Bat-Rezept zum Nachkochen für zuhause. Soviel sei schon mal verraten: Als Sättigungsbeilage gibts Reis.

Noch ein Wort zu den leckersten Nahrungsmitteln Südostasiens, dem Obst. Nachdem Rambutan, Langsat, Mangosteen, Dragonfruit, Passionsfrucht, Stinke-Durian und Jackfruit inzwischen alte Bekannte sind, gibt es doch trotzdem immer noch wieder neue Leckereien zu entdecken. Zuletzt eine bräunliche Frucht mit einer Art Schlangenhaut, innen segmentiert und die einzelnen Segmente haben dann noch einen festen Stein. Den Namen haben wir nicht rausgefunden, schmeckte aber recht knackig. Ramona kostet hier grad eine.

lecker Obst - aus dem Kochbeutel

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Tischtennis auf den Togeans

Auf den Togean Islands in Sulawesi kann man schon mal ein paar Tage versacken. Es dauert etwas bis man die energetisch günstigste Position gefunden hat. Bei uns war dies im Fadhila der Fall - gleich gegenüber von Katupat (Rüberschwimmen ca. 15 min).

Hops

Beim allabendlichen Formspringen vom Fadhila-Pier ist jeder darauf bedacht eine möglichst gute Figur zu machen. Durch die Profi-Kamera-Ausrüstung von Dominique und Kevin entstehen ein paar super Aufnahmen, die sie danach stets noch durch "Lightroom" jagen, was die Qualität nochmals steigert. Da komme ich mir mit meiner 5 Jahre alten Kompaktknipse wie ein Amateur vor.
Tagsüber kommt man auch nicht zu Ruhe. Gleich morgens muß geschnorchelt werden, da die Sicht noch am besten ist. Zwischendurch wird man immer wieder zum Fußball oder Tischtennis herausgefordert. Da kann ich natürlich nicht nein sagen. Am letzten Tag hab ich mich auf Platz 3 der inselbesten Tischtennisliga hochgearbeitet. Upil ist einfach nicht zu schlagen.

Fußi... ...Tischi

Außerdem gilt es mit dem Kanu zur Nachbarinsel Bolilanga rüberzumachen, um die dortigen Schnorchelgründe zu erkunden. die Jungs toben schön, da kann ich endlich mal in Ruhe lesen Einmal entschließen Epo, Felix und ich uns spontan nach Katupat rüberzuschwimmen. Ramona liest derweil irgendwo gemütlich ihr Buch, kriegt das also nicht mit und findet später nur meine Klamotten am Pier - von mir aber keine Spur. Ihre Erklärungsversuche: Entweder beim Schnorcheln abgesoffen oder bei der Suche nach Kokosnuß-Krabben im Dschungel von eben so einer gefressen. - Auf jeden Fall is er nur in Badehose unterwegs... Als wir nach ca. 1h zurückkommen ist sie schon ganz aufgelöst.

Kokosnüsse gibt es übrigens gratis und müssen nicht mal selbst erklommen oder gar mit der Machete fachgerecht geöffnet werden. Nur Verdauen muß man selbst. Das Zeug liegt schwer im Magen und kann leicht ein sicher geglaubtes Tischtennismatch kippen. Zwischendrin wird man genötigt die verschiedenen Fänge des Personals zu begutachten.

Kokosnußkrabben Fisch (glaub ich)

Die Kokosnußkrabben werden angeblich so groß wie Fußbälle und knacken Kokosnüsse. Wo der Name herrührt weiß ich auch bei diesen Geschöpfen nich. Hab sie besser nich in die Hand genommen - laß mir doch nich 'nen Finger abknipsen!

Upil ist der Coolste

Die Idylle hat ihren Preis in Form von heutzutage fast unbekannter Abgeschiedenheit. Mobilfunk oder gar Internet gibt es nicht. Etwas blöd natürlich, wenn dieser Zeitraum ausgerechnet auch Ramonas Geburtstag einschließt. Für diesen planen wir abends eine kleine Party, inkl. Feuer.

 - Bolilanga im Hintergrund

Typisch jugendlicher Größenwahn: Felix und Epo bei den Vorbereitungen. Als altgedienter Köhlermeister belächele ich innerlich natürlich den dilettantischen Aufbau des Strohfeuers, beschließe aber, mich nicht einzumischen und sie ihre eigenen Erfahrungen machen zu lassen. Arak-Kauf in finstren Hinterhäfen Da Bintang relativ teuer ist, begeben wir uns mit Felix dem Finnen auf Arak-Einkaufstour nach Katupat. Arak ist hochprozentiger und wird offensichtlich nur in Hinterhäusern vertickt. Wir kaufen bei 3 verschiedenen Typen sämtliche Vorräte auf, sodaß wir zusammen 20 Beutel haben. Das Teufelszeug kommt selbstverständlich in Plastetüten. Abends vermengelieren wir es mit Sprite o.ä. und teilen es mit allen willigen Gästen. Alkohol macht bekanntlich gleichgültig. Is uns aber scheißegal und wir beschließen den Abend mit einem zünftigem NaNaBa (Nachtnacktbaden).
Schließlich können wir uns losreißen und treten mit der Fähre den kurzen Weg nach Malenge an. Die Insel protzt mit geilen Stränden und totaler Einsamkeit. Etwas zu viel für unseren Geschmack und wir wechseln zu Rudi, wo man noch stilvoller abhängen kann.

Strand bei Malenge Indah Morgens halb 10 bei Rudi

Hier treffen wir u.a. auf Uli und Thomas aus Stuttgart oder wie das da unten heißt. Während die beiden auf 'ner kostenpflichtigen Schnorcheltour sind, machen wir 'ne feindliche Übernahme ihres Balkons.

Mission accomplished

Auch hier gibt's 'n Kanu, um die Umgebung zu erkunden oder auf die gegenüberliegende Bayo-Insel überzusetzen und Zigaretten oder TimTams zu käufen. Der längste Steg den ich kenne - schätzungsweise 2km - verbindet die Bayoinsel mit unserem Eiland. Trotz abenteuerlicher Konstruktionen zwischendrin kommt man trockenen Fußes rüber.

Bayo Insel Bayo Kinder verarschen uns ...läuft Blick zurück auf den ziemlich langen Steg

Unsere Fähre nach Gorontalo, die wir zu nehmen gedachten, wird Tags zuvor auf ein Riff gesetzt, was uns weitere Tage Zwangsaufenthalt beschert. Da wir, um die nächste zu erwischen, nach Wakai zurückmüssen, beschließen wir auf dem Weg dorthin nochmal 2 Nächte im Fadhila einzukehren. Das fühlt sich dann aber eher wie eine Heimkehr an und wir werden mit großem Hallo begrüßt. Das nächste mal "echte Gefühle" gibts dann beim finalen Abschied. Man beachte den Gruß von Adi, den ich zum Abschied nochmal auf seine eben erlittene Tischtennisniederlage hinweise.

Abschied ist ein scharfes Schwert

Samstag, 9. Oktober 2010

Zu Gast bei Asers Familie

Damit wir zwischen den ganzen Traumstränden auch mal wieder was anderes sehen, fahren wir nach Gimpu im Lore Lindu Nationalpark in Zentralsulawesi. Wir werden vor der einzigen Unterkunft abgesetzt, die es in Gimpu gibt, aber die ist zu. Wir streunen etwas ziellos umher, da läuft uns zufällig Aser über den Weg, der gerade von seiner Kakaoplantage kommt und der nicht nur Lehrer ist, sondern nebenbei auch ein Guide und englisch spricht. Ein paar Minuten später sitzen wir auf zwei Mopeds und sausen zu dem Haus seines Großvaters. Wir werden von seiner riesigen Familie eingeladen bei ihnen zu übernachten. Sie sind begeistert und beschäftigen sich unentwegt mit uns für die nächsten zwei Tage. Eric spielt Schach und Dame gegen den Großvater, aber sein größter Erfolg ist ein Remis im Damespiel.

35 gegen 82 Jahre

Die Familie lässt uns kaum aus den Augen. Wenn einer von uns beiden versucht, unbeobachtet zur Toilette zu gehen, kommt schnell jemand hinterher, um uns den weg zur besten Toilette zu zeigen. Denn um das Haus des Großvaters stehen drei weitere herum, in denen die Familien von Asers Brüdern und Schwestern wohnen und diese haben etwas modernere Mandis (Bad mit Wasserbecken und Schöpfkelle). Das ist wirklich sehr nett, aber es ist trotzdem komisch wenn man das Gefühl hat, sie würden vor der Tür warten. Dafür entschädigt aber der Blick übers Tal beim Frühstück.

Frühstück mit Blick

Als Aser uns zu einem vermutlich jahrhundertealten Steinbecken führt, werden wir von einer lustigen Rasselbande begleitet. Das Becken ist dagegen eher langweilig.

Rasselbande

Gleich in der Nähe gibt es ein Takraw Spielfeld und Eric wird gleich mit ins Spiel aufgenommen. Er schlägt sich richtig gut in diesem Mix aus Volleyball und Fußball, während ich von den Kindern umringt und von den Frauen aus sicherer Entfernung beobachtet werde. Der Takraw Ball wird aus Rattan gemacht.

Takraw Video

Am nächsten Tag wandern wir durch den Dschungel auf den nächstgelegenen Gipfel im Nationalpark. Wir werden von einem alten Bauern begleitet, damit sich auch Aser nicht verläuft. Das ist ihm nämlich neulich grad passiert. Als erstes führt uns der Bauer mit erstaunlicher Zähigkeit durch einen reißenden Fluß, der uns bis zu den Oberschenkeln reicht. Ich hatte kaum Halt auf den rutschigen und spitzen Steinen und das Wasser hat mir fast die Beine weggezogen, aber der Bauer hat gelacht und uns nacheinander einzeln rübergebracht. Er ist am Ende sechs Mal durchgewatet.

Video Flußüberquerung

Auf dem Gipfel angekommen, haben wir keine Aussicht. Nicht gerade überraschend, denn auch dort war dichter Dschungel. Dafür konnte der Bauer nach einem Bambusstab suchen, der voller Wasser ist. Den haben wir dann für seine Enkelin mitgenommen, denn die Einhemischen sagen, dass dieses Bambuswasser die Kinder vom nächtlichen Einpinkeln kuriert.

Dschungelausrüstung

Während wir durch den Dschungel wandern, bleiben wir immer wieder an Zweigen hängen, die mit extrem hartnäckigen und vielen Widerhaken gespickt sind. Aser erzählt uns, dass diese Zweige sich wunderbar eignen, um Fledermäuse zu fangen. Man befestigt einfach einige Zweige quer an einem Bambusstab und wedelt mit diesem dann in einem Baum voller Fledermäuse. Die Widerhaken bleiben dann in den Flügeln hängen und die Fledermaus kann nicht mehr weg. Ausprobiert haben wir das aber nicht.
Kakao Auch hier wird dem Dschungel Land abgerungen für Plantagen. Am häufigsten sehen wir Kakao. Lustig ist, dass die Indonesier gar keine richtige Schokolade kennen, sondern nur halbwegs leckere Kekse mit Kakaogeschmack. Wenn sie wüssten, was sie verpassen, aber bei dem Klima geht es garnicht anders.

Auf dem Rückweg hat der Bauer den Stamm einer kleineren Palmpflanze geschlagen, das er als Gemüse bezeichnete. Daraus wurde abends eine leckere Kokossuppe gekocht. Aser sagte, dass jeder Mann, der in den Dschungel geht und seine Frau liebt, ihr dieses Gemüse mitbringt.

Reis enthülsen Zur Belohnung nach unserem Dschungelausflug fahren wir mit der halben Familie zu einem Dorf, wo wir hellen Palmwein probieren. Er ist warm, milchig, süß und irgendwie gewöhnungsbedürftig. Dafür sehen wir dann zufällig, wie man traditionell den Reis enthülst.
Damit es am nächsten Tag Hühnchen geben kann, muss vorher eins der in den Bäumen hockenden Haushühner eingefangen werden. Wir beobachten wie Asers Bruder eine halbe Kokosnussschale auf einen Bambusstab spießt und mit vielen Knoblauchzehen füllt. Damit geht er zu dem Baum, hält es unter das gewünschte Huhn und wartet bis dem Huhn schwindlig wird vom Knoblauch. Dann schwankt es ganz von allein in die Kokosnussschale. Und das haben wir tatsächlich gesehen.

Als der Abschied sich nähert, fühlen wir uns wie Rockstars. Wir werden mit jedem Familienmitglied einzeln und dann in allen möglichen Personenkombinationen abgelichtet. Das war wirklich ein netter Besuch.

Abschied

Samstag, 2. Oktober 2010

Die diabolische Derawan-Dynastie

Friedhofsidylle

Auf Pulau Derawan in Kalimantan (Borneo) sind sogar die Friedhöfe idyllisch. Trotzdem ist es aber nicht so weit ab vom Schuß, daß man nicht mobil erreichbar wäre. In unserer Unterkunft (hier Losmen genannt) über dem Wasser heißt es Hati Hati: Aufpassen!

Dreimaster Hati Hati - AUFPASSEN!

Eigentlich müßte die Insel umbenannt werden in Turtle Island, Koh Tao oder irgendwas anderes schildkrötenlastiges. Mir ist noch nie eine so dichte Schildkrötenpopulation untergekommen. Schon beim Frühstück auf dem Pier wird man von den Luftholegeräuschen dieser Biester aufgeschreckt. Zuerst zückt man noch aufgeregt die Kamera. Nach ein paar Tagen hat man sich daran gewöhnt, daß immer 3-4 Schildkröten in Sichtweite sind. Wenn ich aufs Geländer vom Pier gestiegen bin, konnte ich bis zu 8 Schildis gleichzeitig ausmachen. Hier haben mal 3 zusammen aufs Foto gepaßt.

Schildkrötendreierlei

Ich will hier nicht den Planeten zitieren, aber die Dorfbewohner sind tatsächlich ausgesprochen freundlich un die Kinder betteln ebenfalls ganz liebenswert um "Foto Foto".

My name is Cinderella - türlich

Abends gehts standardmäßig an den Strand, um die Tiere beim Gebären zu belästigen. Dabei wird gewartet bis die Schildi gebuddelt und mit dem Eierlegen begonnen hat. Danach bringt sie die Sache zu Ende auch wenn 10 Leute drumrumstehen ihre Krawallriegel anhaben, damit telefonieren oder L.A.s qualmen. Als Tourist wird man genötigt, die Meereskröten zu tätscheln. Der Eiereinsammelmann hat nicht Ruhe gegeben bevor er ein Foto von mir und der jungen Mutter gemacht hat. Schön zu sehen wie gerade 'ne Fuhre Sand in hohem Bogen durch die Luft gefeuert wird. Wenn man zufällig dahinter steht, kriegt man die Taschen vollgehauen. Die Viecher haben erstaunliche Kraft in den Flossen.

sexuelle Belästigung

Wenn Schildi ihre Eier verbuddelt hat, zischt sie wieder ab in den großen Teich und 'ne Horde Teenager stürzt sich auf die -in diesem Fall- ca. 120 Eier und buddelt sie wieder aus.

fertich - Tschüß ihr Perversen ... 119 120 - fertich

Diese werden dann in einem artgerechten Behältnis (kommt ihr nie drauf, is aber nur bedingt biologisch abbaubar) zur Brütstation verbracht. Das darf man sich jetz nich so proffessionell vorstellen wie sich das anhört. Ein paar hundert Meter weiter am Strand sind ein paar Quadratmeter abgesperrt und dort werden die Eier wieder verbuddelt. Das ganze dient nämlich hauptsächlich dem Schutz vor den Dorfbewohner, die die Eier sonst essen oder für teuer Geld an die Chinesen oder andere Allesfresser verscherpeln würden.

Eierdiebe voll rund

Die Eier sind am ehesten mit 'nem Golfball vergleichbar, haben allerdings anders als Hühnereier eine weiche Schale.

Das Tauchen um Derawan herum ist leider ziemlich teuer, da die Fahrt mit dem Boot extra in Rechnung gestellt wird. Für 4 oder 5 Tage sind wir die einzigen Bleichgesichter auf der Insel. Deshalb haben wir uns zunächst aufs Schnorcheln direkt von der Insel aus konzentriert. Die Einheimischen halten sich in abgesteckten Netzen echte Monsterfische.

ick freß Dir

Schließlich tauchen Neil, Hannah und Lewis auf, mit denen wir zu einem Schnorchel/Tauchtrip aufbrechen. Das Tauchen ist die Hölle. Die Strömung ist stärker als alles was ich bisher erlebt hab. Am Boden muß man sich an sog. Monkeytails festhalten - so'ne seilartige Meerespflanze. Beim Auftauchen wirds dann aber wunderschön und strömungsfrei und wir beneiden unsere Schnorchler, die das die ganze Zeit hatten.

Fishflash

Das Highlight ist allerdings das Schnorcheln auf der Insel Kakaban. Da gibts einen See in der Mitte in dem es unzählige ungiftige Quallen schwimmen. Wie kleine Raumschiffe gleiten die Quallen offenbar ziellos durch den ganzen See. Durch die schiere Menge ist es einfach unmöglich sie nicht immerzu irgendwo zu berühren.

kuck ma - ne Babyqualle

Es bleibt auch noch Zeit für ein kleines Fußballmatch in der derawanschen Dämmerung. Nach 15 Minuten haben Lewis und ich alle Dorfkinder vergrault und erklären uns selbst zu Gewinnern.

derawansches Dämmerungs-Dorf-Duell

Am Ende geht uns tatsächlich die Kohle aus und wir pumpen Neil an. Mit dem Boot nach Tanjung Batu, mit 'nem Kijang weiter nach Berau, umsteigen nach Tanjung Selor und nochmal ins Boot gehts zurück bis nach Tarakan. Hier bereiten wir uns auf unsere Pelni-Jungfernfahrt nach Sulawesi vor.

... und Tschüß

Sonntag, 22. August 2010

Kundenservice auf Indonesisch

auch wenn wir gerade in Malaysia sind, reiche ich jetzt mal ein paar Beispiele nach, wie die Indonesier es immer ganz stilsicher geschafft haben, uns den Tag möglichst unangenehm zu machen.

Essen gehen
Man sucht sich also ein Restuarant, das irgendwie einen guten Eindruck macht. Dabei kann es zu jeder Tageszeit passieren, dass die Bedienung gemütlich irgendwo übernickt, also sollte man unbedingt auf sich aufmerksam machen. Als nächstes kann man bis zu 10 Minuten Wartezeit einsparen, wenn man mit Elbenaugen den Stapel mit den Speisekarten ausfindig macht und sich schnell selbst eine holt. Ansonsten wartet man eben darauf, dass die Bedienung mit dem allgegenwärtigen und extrem gelangweilten Flip-Flop-Schlurfen, die Speisekarten bringt. Wenn man dann seine Bestellung auf den vorgesehenen Zettel geschrieben hat, kann man nochmals Zeit rausholen, indem man den Zettel selbst zum Tresen bringt. Das heißt aber nicht, dass der Zettel nicht doch noch in der Küche verloren gehen kann und man nach einer Viertelstunde gefragt wird, ob man die Bestellung noch mal aufschreiben kann. Wenn man Glück hat, bekommt man sein Essen in der nächsten halben Stunde, ansonsten kann schon mal 'ne Stunde vergehen. Auf jeden Fall werden die Gerichte aber niemals gleichzeitig serviert. Das könnte ja angenehm sein! Übrigens passiert einem dies alles nicht, wenn man am Straßenstand ißt, die Verkäufer sind richtig auf Zack.

Flugticket kaufen
Die Reisebüros sind gewöhnlich mit unzähligen Mitarbeitern besetzt, wobei jeder eine ganz genaue und natürlich wichtige Aufgabe bekommen hat, die uns aber irgendwie verborgen bleibt. Es scheint, als würden sie eigentlich nur im Internet surfen oder auf ihre Handys tippen. Die Bedienung der Kunden wird dabei nur einer oder maximal zwei Personen zugetraut. Man kommt also in ein Reisebüro, in dem es von Mitarbeitern nur so wimmelt, es nur noch einen weiteren Kunden gibt und man trotzdem warten muss. Wenn man dann rankommt, kämpft man als nächstes mit der Verständigung. Für Jobs im indonesichen Kundenservice ist es Voraussetzung, besonders gut flüstern zu können. Wir verstehen also nur die eher unwichtigen Details wie Abflugzeit, Flugdauer, Verpflegung oder ähnliches. Was für uns wirklich zählt, wie z.B. der Preis und das Datum, erfahren wir erst nach dreimal nachfragen. Es kommt auch vor, dass man der Dame hinter dem Schalter noch andere Fluglinien nennen muss, die ebenfalls auf der gewünschten Strecke fliegen. Irgendwann wird uns klar, dass es den Reisebüros jedenfalls nicht darum geht, uns das beste Angebot zu machen. Wenn wir dann ohne Buchung wieder abzischen, weil der Preis im Internet tausendmal besser ist, ist das den Mitarbeitern auch egal, dann können sie wenigstens wieder auf ihre Handys eintippen.

dann wolln wir mal

Für den Flug einchecken
Man sollte sich genau überlegen, ob man wirklich mit der billigsten Fluglinie Indonesiens fliegen möchte, aber wir haben es einfach mal probiert. Als wir also die Check-in Schalter von Lion Air erreichen, sind die drei Warteschlangen nur als verschieden große Trauben zu erkennen. Das erinnert uns irgendwie an Indien. Die erste Traube, die wir wählen, löst sich nach ein paar Minuten auf, weil der Schalter ohne Erklärung geschlossen wird. Wir versuchen es also bei der nächsten. Dabei müssen wir aufpassen wie Schießhunde, dass wir nicht rausgedrängelt werden. Die beliebteste Taktik ist es, von ganz hinten einfach nach vorne zu gehen und sein Gepäck auf die Waage zu legen. Aber das finden sogar die Schalterbeamten zu ungerecht und schicken die frechen Drängler harsch zurück ans Ende der Traube. Die nächste Taktik ist, sich unauffällig vom geschlossenen Nebenschalter zu nähern. Damit kamen einige sogar durch. So kommt es aber, dass der Schalterbeamte sich gezwungen fühlt, mehrere Kunden gleichzeitig zu bedienen. Jeder der also seine Ellbogen auf den Schalter legt und mit dem Buchungszettel unter seiner Nase wedelt, wird erstmal kurz bedient. Das funktioniert nicht so richtig und kein Vorgang wird dabei bis zu Ende erledigt. Dabei geraten manchmal die Buchungszettel und sogar die Pässe etwas durcheinander. Und dann hat ja jeder auch noch Gepäck. Es gibt nur einen Gepäckzettelklebejungen, der aber für zwei Schalterbeamte arbeitet. Alle paar Minuten muss er nachfragen, auf welches Gepäckteil er jetzt eigentlich welchen Aufkleber draufmachen sollte. Da fragt man sich die ganze Zeit, wie das gutgehen soll. Geht es ja auch nicht. Mit uns vermissen noch ungefähr zehn andere Passagiere ihr Gepäck, als wir in Denpasar ankommen.

Einfach mal Tee trinken
Morgens um kurz nach halb acht sitzen wir verschlafen im Tauchladen und stellen fest, dass noch ein Tauchtourist fehlt. Allerdings wurde ihm gesagt, dass wir uns erst um acht treffen. Der Tauchmaster kommt auf die Idee, dass wir ja alle noch 'nen Tee oder Kaffee trinken könnten, solange wir warten. Wir blättern also alle in irgendwelchen Tauchbüchern und machen uns miteinander bekannt, um uns die Zeit zu vertreiben. Gerade als der fehlende Tourist um Punkt acht auftaucht, kommt das Tauchladenmädchen mit einem Tablett von hinten. Darauf stehen erstens zu wenige und zweitens leere Tassen. Sie setzt gerade an, uns zu fragen was wir trinken möchten, als sie tatsächlich selber merkt, dass wir jetzt los müssen. Wir fragen uns was sie die letzten 20 Minuten gemacht hat.

Einen Flug bestätigen
Wenn man auf die wilde Idee kommt, einen gebuchten Flug ein paar Tage vor dem Abflug noch mal zu bestätigen, bekommt man ganz schnell mal eine andere Abflugzeit untergejubelt. Der Reisebüromitarbeiter nimmt also unseren Buchungszettel, antwortet nicht auf unsere Frage, ob eine Bestätigung überhaupt nötig ist, spricht nur mit seinen Kollegen aber natürlich nicht mit uns während er sich ca. 'ne Viertelstunde mit unserem Zettel beschäftigt. Dabei macht er zwischendurch natürlich auch noch andere Sachen, nimmt Telefongespräche entgegen, verschwindet mit unserem zettel untern dem Tisch und am Ende gibt er uns einfach den Buchungszettel mit der draufgekritzelten neuen Abflugzeit zurück, ohne was zu sagen. Aber bei alldem hatten wir total Glück, bei anderen Reisenden wurde der Flug um zwei Tage verschoben.

Ach übrigens sind die Malaysier manchmal auch nicht besser. Wenn wir die Straßenseite wechseln wollen, nehmen sie uns mit dem Auto erst ganz langsam den Vorrang, um dann genau dort zu parken wo wir auf den Bürgersteig rauf wollen. Man könnte meinen sie machen das mit Absicht, aber wahrscheinlich merken sie es einfach nicht.

Mittwoch, 11. August 2010

Von Plastetüten, dem Verlust der Komfortzone und einem Huhn

Wir sind ja meistens mit dem öffentlichen Personennahverkehr unterwegs. Dieser kommt in den verschiedensten Varianten daher - ist aber niemals langweilig.
Oft werden neben den Passagieren auch noch ein paar zusätzliche Kleinigkeiten verstaut, wie z.B. ein paar Zentner Reis, 'ne Anbaureihe oder ein Atomkraftwerk.

Bemo - der is noch lange nich voll

Auch kleinere Verkehrsmittel erfreuen sich bei uns hoher Beliebtheit. Hier unser erster Kontakt mit einem Becak. Zwei Indonesier mögen da nebeneinander bequem reinpassen. Unsere Becken verkeilen sich wunderbar in der Bank und bringen so einen automatischen Sicherheitsgewinn bei gewagten Bremsmanövern.

Aus dem Flieger rein ins Becak

In Indonesien sind fast alle Disziplinen des Busfahrens in Indien in ähnlicher oder leicht abgewandelter Form vertreten. Der durchschnittliche Bus ist oft nochmals deutlich kleiner - etwa wie ein geschrumpfter Barkas mit vier Sitzbänken. Auf jede Bank werden 4-6 Leute gequetscht. Is aber in Wirklichkeit irgendein Isuzu oder was ähnlich Unaussprechliches. Es zwängen sich also ca. 20 Leute in dieses Ding. Hier ein Beispielbus VOR der Beladung.

Ramona beim Strassenflirt

Im "Buch" wird dieses Ding als Chickenbus bezeichnet und ich konnte die Beschreibung 100% nacherleben. Zuerst muß man sich mit dem totalen Verlust seiner eigenen Komfortzone abfinden. Westeuropäische Berührungsängste sind den Indonesiern fremd. Der äußerst schmale Gang zwischen den Reihen wird zuletzt mit Puppen-Plastehöckerchen aufgefüllt und besetzt. Da zu allen Seiten Leute sitzen, kann man theoretisch auch nirgendwo hinrutschen.

Besonders erdrückend war hier die Rückfahrt nach Berastagi nach unserer Vulkanbesteigung, als wir in einen (vermeintlich) vollen Bus zugestiegen sind. Alle Plätze waren bereits mehrfach besetzt - deswegen wird man aber nicht zurückgelassen. Meine Frage ob ich aufs Dach klettern dürfte wurde mit dem Hinweis auf die "Polisi" abgewiesen.
Ich hatte nämlich auf einer der ersten Chickenbusreisen neidisch die Schulkinder beobachtet, die einfach aufs Dach geklettert sind.
Diesmal nicht - also rein in die nichtvorhandene Lücke und im Gang dahocken - stehen ist auf Grund mangelnder Bauhöhe für mittelgroße Europäer nicht drin.

Ich habs nachgezählt. Ich hatte gleichzeitig Körperkontakt zu 6 weiteren Passagieren: Mit dem rechten Arm hab ich mich an einer Vorderlehne festgekrampft und dabei zwangsläufig dem Draufsitzer in den Rücken gegrabscht. Hochstapelei Mein rechter Oberschenkel lehnt relativ bequem an dem glücklichen Mädchen rechts von mir, das noch Anteile eines echten Sitzes ergattern konnte. Von hinten rechts bohrt sich ein Knie in meinen Rücken. Mit dem linken Arm kralle ich mich an Ramona fest, die im Tritt noch aufrecht stehen kann. Außerdem berühr ich zwangsläufig den Typen der zusammen mit Ramona im Tritt steht und den Cowboy links hinter mir mit dem Ellenbogen. Herrlich. Nur bei LKWs wird noch enger gepackt und höher gestapelt.

Ein anderes mal mußten wir auf der Tour von Berastagi nach Parapat an einem absolut runtergekommenen Busbahnhof in Pematangsiantar umsteigen. (Der Ort heißt echt so und Ramona konnte sich daran erinnern ohne nachzuschauen!) Ich bereue zutiefst keine Fotos oder, noch besser, ein Video gemacht zu haben. Aber wir hatten mit uns selbst zu tun, und man will nich, daß der Gepäckvomdachrunterwerfemann seinen Rucksack in 'ne Modderpfütze oder 'nen Straßengrill feuert. Der Untergrund war schwer zu deuten und beim Versuch mich in eine verkehrstechnisch günstige Position zu bringen, bin ich auf eine Art aschbraunen Plastehügel getreten - hab ich gedacht. Hat sich dann als Schleimglibbersoße mit Eiterschaumkrone herausgestellt und ich bin erstmal Knöcheltief in dieser Sumpfgrube versackt. Klingt witzich aber in dem Augenblick hat außer Ramona niemand gelacht.

Nach dieser Demütigung hab ich uns um die verschiedenen Dreckseen, Modderlöcher und brennenden Bio-Plaste-Kombi-Komposthaufen herummanövriert, um zum richtigen Chickenbus zu gelangen. Der is natürlich schon "voll" und ich wink schon ab "Wir warten auf den nächsten". Das Problem is - das nützt garnichts, denn auch der nächste Bus wird bis zum Anschlag vollgestopft bevor er abhebt.

Na jedenfalls ich so, "Oh, is ja voll nett daß der Typ da hinten in der letzten Reihe für mich aussteigt." Der is aber nur etwas gerutscht, um mir meine "Lücke" sichtbar zu machen. OK! - ich muß meine Füße nach hinten durchquetschen. Für mich die ideale Gelegenheit meinen Schleimschuh schon mal grob an seiner Hose vorzuputzen.

Doch nur weil alle sachgerecht verklemmt sind heißt das noch nicht, daß es losgeht. Der Fahrer geht evtl. noch mal was essen, kacken oder hält 'nen ausgiebigen Schwatz mit seinen Kumpels während wir Insassen in der prallen Mittagshitze den Innenraum schon mal leicht vorglühen.

Als nächstes kuckt n einzähniges, wettergegerbt-verhungertes Männchen durch das Loch wo normalerweise 'ne Seitenscheibe wäre und will uns Erdnüsse oder ähnliche Geduldsspiele verkaufen. Und wieder wünscht ich, ich könnte jetzt die Kamera draufhalten - aber die ist irgendwo unten im Tagesrucksack auf meinem Schoß und meine Arme kann ich unmöglich bewegen. Doch endlich hebt das Raumschiff ab.

Normalerweise erlangt man irgendwann eine Art Gleichgültigkeit und nimmt seine allseitige Eingeklemmtheit als unabänderbar hin. In diesem Fall kam aber erschwerend hinzu, daß die klappbare Vorderlehne nicht mehr einrasten konnte. D.h. immer wenn die 6-köpfige Familie vor uns sich angelehnt hat, lastete das Gewicht auf den Knien der Leute dahinter - bzw. auf den Knien desjenigen, mit den längsten Beinen ... Kennt ihr die durchschnittliche Körpergröße eines Indonesiers?
Ich wünschte ich könnte mit Ramona tauschen. Die teilt sich weiter vorne ein Lücken-Puppenhöckerchen mit einer Batak-Frau, die mit ihrem Haupt friedlich auf ihrem Rucksack schlummert.

In Parapat angekommen schäle ich mich stolz aus dem Bus, versuche auf den eingeschlafenen Beinen Halt zu finden und schaue verächtlich auf die Backpacker, die im bequemen Touri-Shuttle-Jeep angereist sind.

Aber nicht immer sind die Chickenbusse so voll. Auf einer anderen Fahrt sitzen wir mit drei Omas in der zweiten Reihe. Die eine hat krass vorstehende Zähne und noch krassere rote Lippen. Die kauen glaub ich Betelnüsse oder sowas. Aber das nur am Rande. Irgendwann nickt die Oma neben Ramona ein und kippt immer auf ihre Seite. In der Reihe hinter uns sitzt nur ein junges Mädchen und dahinter auch nur zwei Figuren. Halte Budi Trotzdem kommt niemand auf die Idee, daß alle etwas mehr Luft hätten, wenn vielleicht jemand eine Reihe nach hinten geht. Die 3 Omas rühren sich nicht und blockieren die Tür. Ramona ist irgendwann extrem genervt und klettert beim nächsten Stopp nach hinten. Die Omas kucken verständnislos.
Das hier, falls ihr Euch fragt, woher wir immer wissen, wann wir aussteigen müssen.

Die Inneneinrichtung einiger Bemos ist oft gewöhnungsbedürftig. Aber ganz viele Sachen - bevorzugt Sitzmöbel - bleiben in Indonesien für immer eingeschweißt und dadurch auch ewig neu - und man fühlt sich unendlich geborgen.

Innenausstattung Bemo

Anders als in Indien wird in Indonesien übrigens nicht direkt aus dem Fenster sondern sehr dezent in eine Plastetüte gekotzt. Diese wird dann erst nach Befüllung aus dem Fenster gepfeffert. Immer besonders witzich bei Gegenverkehr. Auch ist die Beteiligung deutlich geringer - nur ein Kotzer pro Fahrt. Weitere kleine Randbeobachtung: indonesische Kotze stinkt nicht - wieso hab ich noch nich rausgefunden.

Den wortwörtlichen Chickenbus konnten wir aber auf der Fahrt von Parapat nach Medan erleben. In diesem Fall handelte es sich allerdings um einen 'großen' Bus und es werden normalerweise nicht mehr Tickets als vorhandene Sitzplätze verkauft. Jedenfalls, nach einiger Zeit fing es in der Reihe hinter uns an zu gackern. Da hatte 'ne Omi 'n Huhn oder Hahn im Korb - hab ich gedacht. Die Omi hat dem Huhn immer wieder freundlich aber bestimmt die Luft abgedrückt damit es den Schnabel hält. Als sie ausstieg und ich mich wieder bewegen konnte, hab ich einen schnellen Blick auf das Federvieh werfen können. Natürlich war das Huhn nicht in 'nem Korb sondern stilsicher und artgerecht in 'ner Plastetüte verstaut. Wozu die alles gut sind! Ein Teufelszeug. In Asien kommt einfach alles in Plastetüten wenn man nicht aufpaßt - auch Plaste-Wasserflaschen!

In Ray Leh hat uns mal jemand von irgend 'nem Strand in Thailand erzählt. Durch den Monsun oder so weht da regelmäßig der ganze Plastemüll aus Indonesien rüber. Da konnte er knietief in Plasteflaschen, -tüten, -bechern usw. waten.
Außerdem hab ich neulich irgendwo gelesen, daß die riesigen Lederrückenschildkröten immer verrecken weil sie sich versehentlich im Wasser treibende Plastetüten reinpfeifen, die sie für Quallen halten. Leben wir nicht in einer herrlichen Welt?

Falls ihr Euch wundert warum ich immer Plastetüte statt Plastiktüte schreib - das is Absicht. Als Ossi darf ich das, wir habens nämlich erfunden und aus patentrechtlichen Gründen müssen Wessis Plastik sagen.

Sonntag, 8. August 2010

Komodo Querschnitt

in Meter über Meeresspiegel (NN)

irgend ne Komödien-Insel 5k
Eagle 30
Wasserbüffel-Mahlzeit 10
Kanawa 2
Schnorchelitis -1
Maulaufreißer -4
Tauch-Tamara -20
MANTA MANTA MANTA ALARM -30

en route

Ramona und Eric auf Piste

Suche

 

Zwischendurch unterwegs in

Vietnam

Kuba

Peru

Sri Lanka

mp3-Player Inhalt



aus Bad Gandersheim
Die lieben SCHRÖDERS



Olli Schulz und der Hund Marie
Und dann schlägt Dein Herz


Mad Caddies
Ska Ska Ska

Unterwegs - Literatur




Andrew Marshall
The Trouser People



Gregory D. Roberts
Shantaram


Alex Garland
The Beach


Norbert Lüdtke
Selbstreise-Handbuch


William Sutcliffe, Axel Henrici
Meine Freundin, der Guru und ich



Dieter Riemenschneider
Shiva tanzt. Das Indien-Lesebuch.



Dominique Lapierre
The City of Joy


Francois Bizot
The Gate


Yann Martel
Life of Pi


Tom Hodgkinson
How to be idle

Status

Online seit 7389 Tagen
Zuletzt aktualisiert am
13. Nov, 13:19
Besucher seit 17.01.2010 kostenloser Counter

Kontakt

development